Kurze Zeit nach der Geburt des Propheten
wurde seine Mutter Amina krank, und sie hatte keine Milch mehr für den Säugling.
Es war auch damals in den adeligen Kreise Mekkas Sitte, ihre Kinder auf dem
Land aufwachsen zu lassen. In der gesunden Luft und in der Weite der Wüste
konnten sich die Kinder körperlich und seelisch besonders gut entwickeln und
gleichzeitig das reine Hocharabisch der Beduinen lernen. Daher suchte der Großvater
Abdul Muttalib nach einer Amme für seinen Enkelsohn. Diese hieß Halima und
kam zu der Zeit mit anderen Frauen ihres Stammes und ihrem Mann aus der Wüste
nach Mekka, um sich ein Kind zum Stillen zu holen. Es hatte lange Zeit nicht
geregnet, und die Menschen litten unter Hunger und Durst. Esel und Kamelstuten
gaben keine Milch mehr, und selbst Halimas Sohn schrie oft die ganze Nacht vor
Hunger, weil Halima nicht genug Milch hatte.
Halima ritt auf ihrer Eselin, die aber so
abgemagert und schwach war, dass sie den Zug der Karawane verzögerte und den
anderen zur Last fiel. In Mekka angekommen, nahmen sich die anderen Frauen
verschiedene Kinder, aber niemand wollte ein Waisenkind. Als Abdul-Muttalib
nach einer Frau fragte, die noch kein Kind hatte, meldete sich Halima und nahm
seinen Enkel zu sich.
Und siehe da, als Halima das Kind Muhammad
auf ihren Schoß setzte, gaben ihre Brüste plötzlich so viel Milch, wie das
Kind verlangte. Muhammad und auch ihr eigener Sohn tranken, bis sie gestillt
waren und einschliefen. Plötzlich war auch die alte Kamelstute voll mit
Milch. Halima und ihr Mann konnten so viel Milch trinken, bis sie gesättigt
waren, und sie verbrachten seit langem wieder eine gute Nacht. Am nächsten
Morgen sprach ihr Mann, dass Halima einen gesegneten Menschen zu sich genommen
hätte. Hz. Muhammad trank immer nur an der rechten Brust, während die linke
Brust für Halimas eigenen Sohn verblieb.
Bei ihrer Rückkehr in die Wüste ritt
Halima zusammen mit Muhammad auf ihrer Eselsstute. Doch dieses Tier lief nun
so schnell, dass es die Begleiterinnen weit abhängte. Als sie zu ihren
Lagerplätzen, die sehr unfruchtbar waren, zurückkehrten, kamen am Abend ihre
Ziegen und Schafe gut genährt und voll mit Milch von der Weide zurück. Die
Tiere der anderen jedoch blieben weiterhin hungrig und schwach. Halima und ihr
Mann brauchten von nun an keine Sorgen mehr um ihren Lebensunterhalt zu haben.
Er wurde ihnen von Allah reichlich zugeteilt.
In dieser gesegneten Umgebung wuchs Hz.
Muhammad zu einem kräftigen und gesunden Jungen heran; täglich spielte er
mit den anderen Kindern und hütete mit ihnen zusammen Schafe und Kamele. Von
Anfang an war Muhammad reinlich und gut und tat keine schlechten Dinge. Beim
Essen benahm er sich vorbildlich. Bevor er zu essen begann, sagte er stets:
‘Im Namen Gottes’ und wenn er mit dem Essen fertig war ‘Dank sei
Gott’. Er aß seinen Teller leer und nahm anderen niemals etwas weg. Was
anderen Kindern gehörte, aß er nicht. Niemals kam über seine Lippen eine Lüge
und schlechte Taten vermied er. Er lachte nicht laut, sondern leise und
angenehm und war stets freundlich. Nie ärgerte er andere Kinder oder andere
Menschen, sondern er war immer freundlich und gut zu ihnen. Jeden Tag füllte
er einen Korb mit Datteln und verteilte sie unter andere Kinder.