Die
erste islamische Familie:
Heirat bis Mab’ath
25 J. bis 40 J.
595 n. Chr. bis 610 n. Chr.
Die erste islamische
Familie, die gegründet wurde, war die Muhammads (s.a.s.) und Chadidschas. Ihr
Haus, ihre Familie, stellte das erste "Islamische Zentrum" dar. Sie
waren zunächst nicht mehr als 3 Personen: Muhammad, Chadidscha und Ali
(a.s.). Als der Prophet 28 Jahre alt war, wurde Ali als Sohn von Abu Talib
geboren. Von der wundersamen Geburt Alis und der engen Beziehung Muhammads
bereits zum Neugeborenen haben wir schon früher gehört. Und so verwundert es
auch nicht, daß Muhammad seinen Onkel bat, den kleinen Ali, der damals gerade
5 Jahre alt war, in seine Familie aufnehmen zu dürfen. Muhammad wußte, saß
sein Onkel kein reicher Mann war. Auch aus Dankbarkeit für die viele Liebe,
die sein Onkel ihm gegeben hatte, wollte Muhammad seinen Onkel nun unterstützen.
Ali zog also zu Muhammad und Chadidscha und wuchs unter ihrer Obhut zu einem
Menschen mit bestem Charakter heran.
Dieses Haus, diese
Familie, war das Zentrum, der Ausgangspunkt der weltweiten islamischen
Bewegung. Eine schwere Verantwortung und Verpflichtung lastete auf ihnen. Sie
mußten gegen Gottlosigkeit und Götzentum zu Felde ziehen, hatten also das
Ein- Gott - Bekenntnis (Tauhid) in alle Welt hinaus zu tragen. Sie waren
seinerzeit die einzige islamische Familie und Gemeinschaft auf dem gesamten
Erdenrund. Weitere Muslime gab es noch nicht. Doch sie, die kühnen, fest überzeugten
und engagieren Vertreter des ersten Stützpunktes des Islam, waren
entschlossen, die Herzen der Menschen zu erobern und sie für den Islam - d.h.
für Gott - zu gewinnen. Jene kleine, aber aktive und zuversichtliche
Glaubensgemeinschaft war bereit und gerüstet. An ihrer Spitze stand Muhammad
( s.a.s.), über dessen Gesinnung Gott im 4. Vers der Sure 68 Qalam spricht:
"Deine
Gesinnung, Muhammad, ist hoch und edel!"
Muhammad war stets gütig
gegenüber den Mitgliedern seiner Familie. Seine Ehefrau verehrte er so sehr,
daß sein liebevolles Verhältnis zu ihr besonders stark von den damaligen
Gepflogenheiten der vorislamischen Beduinengesellschaft abwich. Selbst die
Freundinnen Chadidschas würdigte er um ihretwillen. Wenn er z. B. ein
Geschenk bekam, ließ er es des öfteren zum Haus einer Freundin Chadidschas
bringen. Immer wieder betonte Muhammad auch gegenüber anderen Männern, daß
sie sich gegenüber ihren Ehefrauen auf die beste Art und Weise verhalten
sollten. Er wußte natürlich, daß alle Menschen gute und schlechte Seiten
haben. Sein Erziehungskonzept aber zielte darauf ab, das Gute im Menschen
zu stärken und nicht einem anderen Menschen, geschweige seinem Lebenspartner,
dessen schlechte Eigenschaften vorzuhalten.
Chadidscha stellte
ihrem Mann ihr ganzes Vermögen zur Verfügung, und Muhammad kümmerte sich
fortan um Chadidschas vielseitige Handelsgeschäfte. Aber sein Herz war nicht
bei dem vielen Geld, über das er nun verfügte. Er half statt dessen den
Armen, bezahlte ihre Schulden und kaufte viele Sklavinnen und
Sklaven frei. Die Sklavinnen im eigenen Haushalt ließ er frei und half selbst
seiner Frau bei der Hausarbeit, denn er wollte nicht bedient werden. Die Führung
im Hause oblag Chadidscha. Sie war die "Hausherrin", glaubte an die
heiligen Ziele und Vorhaben Muhammads und unterstütze ihn ohne Mühe und
Opfer zu scheuen.
Muhammad und
Chadidscha lebten ein überaus harmonisches und glückliches Familienleben.
Sie wünschten sich Kinder, damit ihre Mission, das Ein- Gott- Bekenntnis zu
stärken und den Menschen zu helfen, weiterbestehen und sich vermehren 3ürde.
Chadidscha gab alles und sich selbst für dieses Bestreben hin. Bedingungslos
fügte sie sich den Wünschen Muhammads, die voll und ganz dem Worte Gottes
entsprachen. Der Prophet wußte, um seine hohen Ziele zu erreichen, mußte er
standhafte und ehrenwerte Nachfolger bekommen.
Leider waren aber
die Söhne Qasim und Abdullah schon als kleine Kinder gestorben, was für die
Familie eine schwere Prüfung bedeutete. Muhammad war zu seinen Kindern
besonders herzlich und gefühlvoll. Im Gegensatz zu den Gepflogenheiten der
damaligen Gesellschaft spielte er mit ihnen, nahm sie auf seine Schultern und
küßte sie. Als er einmal seinen Enkelsohn Mugtaba im Beisein eines reichen
Mekkaners auf das Gesicht küßte, war dieser erstaunt und sagte, daß er
seine beiden Söhne noch kein einziges Mal geküßt hätte. Daraufhin
erwiderte der Prophet, ohne ihn dabei zu verletzen: "Bedenke, wer keine Güte
zeigt, dem wird auch keine Güte erwiesen." Muhammad achtete und grüßte
Kinder, noch bevor sie ihn grüßten. Er sagte: " Ehrt und respektiert
die Kinder und seid freundlich zu ihnen! Denn jemand, der unfreundlich zu
Kindern ist, ist kein Muslim!"
In gleichem Maße,
wie die Eltern Muhammad und Chadidscha über den Tod ihrer Söhne trauerten,
waren diejeinigen Mekkaner, die sich von der Familie Muhammads provoziert fühlten,
erfreut darüber, da sie annahmen, mit dem Tod der Prophetensöhne würde das
Haus Muhammads erlöschen. Sie bezeichneten ihn in ihrer Schadenfreude als
"abtar", d.h. als "nachkommenslos", was den Propheten und
seine Frau zutiefst verletzte.
Muhammad wurde durch
sein vorbildliches Verhalten bald in Mekka bekannt. Alle in Mekka ansässigen
Stämme respektierten ihn wegen seiner Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit.
Viele Menschen verehrten ihn, vor allem Arme, Alte und Waisenkinder. Viele
Reiche und Mächtige fühlten sich jedoch von ihm bedroht und provoziert, und
sie wurden später zu seinen Gegnern und Feinden. Selbst Chadidscha mußte
ertragen, daß sich ihre Freundinnen und Bekannten immer mehr von ihr
abwandten und den Kontakt mit ihr gänzlich abbrachen. Jedoch stand Chadidscha
ihrem Mann voll und ganz zur Seite. War er in Bedrängnis und Schwierigkeiten,
so sprach sie ihm mit tröstenden Worten gut zu und gab ihm Hoffnung, daß er
sein hohes göttliches Ziel gewiß erreichen werde. Und kam er, verspottet,
verlacht, belästigt und gequält nach Hause, so umgab sie ihn mit ihrer Liebe
und Fürsorge. Sie gab ihm Kraft und Energie. Auch in Krisensituationen und
selbst bei den schwersten Problemen, denen er sich bisweilen gegenüber sah,
beriet er sich mit ihr.
10 Jahre nach der
Heirat Hz. Muhammads (s.a.s.) mit Hz. Chadidschaa wurde Mekka von einem
starken Unwetter heimgesucht, und die Kaaba wurde dabei zerstört. Die
verschiedenen Stämme der Kureisch beschlossen, die Kaaba gemeinsam wieder
aufzubauen. Aber gegen Ende des Wiederaufbaus kam es zu Streitigkeiten , ja
fast zur kriegerischen Auseinandersetzung zwischen ihnen, weil jeder Stamm für
sich die Ehre haben wollte, den schwarzen Stein "Hagar al aswad",
ein Meteorit, an seinen Platz zu setzen. Da machte ein kluger Mann unter ihnen
den Vorschlag, einen Schiedsrichter zu wählen. Und derjenige sollte
Schiedsrichter sein, der als erster durch das Tor der "Masdched al
Haram" kam (so heißt das Gotteshaus, in deren Innenhof die Kaaba liegt).
Als erster trat ein
junger Mann ein, und alle waren froh und einverstanden mit ihm, denn es war
Muhammad (s.a.s.). Dieser breitete nun seinen Aba auf dem Boden aus und legte
den Stein in seine Mitte. Dann forderte er die Ältesten jedes Stammes auf,
das Tuch zu fassen und den Stein an seine Stelle zu bringen. Muhammad selbst
setzte den wieder an jenen Platz, wo er heute noch gesehen werden kann.
Zu jener Zeit war
Hz. Muhammad (s.a.s.) 35 Jahre alt und noch nicht zum Propheten ernannt
worden. Er war jedoch wegen seiner außergewöhnlichen Gewissenhaftigkeit und
Zuverlässigkeit bekannt, so daß man ihn "Muhammad, den Zuverlässigen"
("Muhammad al Amin") nannte. (s. auch Kap. "Muh. als
Hirte"). Die Leute gaben ihm wertvolle Gegenstände zur Aufbewahrung, und
wenn sie es wünschten, gab er sie heil und unversehrt an ihre Besitzer zurück.
Wenn jemand Probleme hatte, so ging er zu Muhammad und fragte ihn um Rat. Oder
gab es Streitigkeiten zwischen zwei Parteien, so wurde Muhammad hinzugezogen,
um den Schiedsspruch zu sprechen.