Eine der ersten Aktivitäten des heiligen
Propheten in Medina war die ‘Organisierung der islamischen Gemeinschaft’.
Zum einen lernten die Muslime diszipliniert zu leben, zum anderen hielten sie
sich in ständiger Alarmbereitschaft gegen immer wiederkehrende Angriffe der Götzendiener.
Der Islam und die islamische Gesellschaft nahmen einen raschen Aufschwung, was
die mekkanischen Götzenanbeter sehr beunruhigte und mit größter Sorge erfüllte.
Sie suchten nach Gelegenheiten, um die islamische Gemeinde
auseinanderzubringen, und schikanierten jene Muslime, die noch in Mekka
geblieben waren und dort gewaltsam festgehalten wurde. Die Häuser der
Auswanderer wurden geplündert und zerstört. Die Muslime in Medina, vor allem
die Auswanderer aus Mekka, sorgten sich sehr um ihre zurückgebliebenen Angehörigen
in Mekka. Sie warteten auf eine himmlische Weisung, die ihnen erlaubte, der
Unterdrückung durch die Götzendiener ein Ende zu bereiten.
Im Jahr 2 n. H., am Freitag den 17.
Ramadan, fand die erste kriegerische Auseinandersetzung zwischen den Muslimen
und den mekkanischen Götzendienern statt. Da die meisten Muslime all ihr Hab
und Gut hatten zurücklassen müssen, fürchteten nun die Mekkaner, die
Muslime könnten ihre Handelskarawanen nach Syrien, die nahe an Medina vorbei
mußten, überfallen. So beschlossen die Mekkaner, die Muslime anzugreifen und
Medina zu erobern. Bei Badr ( d. h. Brunnen) stießen ca. eintausend gut
ausgerüstete mekkanische Krieger auf nur dreihundert mäßig bewaffnete
muslimische Kämpfer. Die Lage schien aussichtslos.
Währenddessen eröffnete Allah (t.a.) dem
Propheten, daß jeder Kämpfer, der für die Sache Allahs kämpft und dabei
getötet wird, Eingang ins Paradies finden werde. In der Sure Al Anfal/ Verse
66 und 67 heißt es:
‘O Prophet, feuere die Gläubigen
zum Kampf an. Sind auch nur 20 Standhafte unter euch, sie sollen 200 überwinden;
und sind 100 unter euch, sie sollen 1000 überwinden von denen, die ungläubig
sind, weil das ein Volk ist, das nicht versteht. Jetzt aber hat Allah euch
eure Bürde erleichtert, denn Er weiß, dass in euch Schwachheit ist. Wenn
also unter euch 100 Standhafte sind, so sollen sie 200 überwinden; und wenn
unter euch 1000 sind, so sollen sie 2000 überwinden nach Allahs Gebot. Und
Allah ist mit den Standhaften.’
Die Muslime kämpften furchtlos und mit
beispiellosem Kampfgeist und Mut. Sie töteten Abu Dschahl, den Anführer der
Götzendiener, und schlugen das dreimal größere Heer in die Flucht. Die
Mekkaner ließen 70 Tote (35 wurden durch das Schwert Alis getötet) und 70
Gefangene zurück, während die Muslime 14 Tote zu beklagen hatten.
Der Prophet ließ die Gefangenen
barmherzig und mitfühlend behandeln. Die muslimischen Kämpfer mussten ihr
Essen mit ihnen teilen. Als Lösegeld für die Gefangenen wurde festgesetzt,
dass jeder von ihnen, der lesen und schreiben konnte, diese Kunst zehn
Muslimen beibringen sollte.
Die Mekkaner, allen voran Abu Sufian,
konnten ihre vernichtende Niederlage bei Badr nicht verwinden. Sie schworen
Rache zu nehmen und den Muslimen die Macht der Kuraisch zu zeigen.
Im Jahre 3 n. H. zog ein 3000 Mann starkes
Heer unter Abu Sufian Richtung Medina. Hz. Muhammad (s.a.s.) hatte in Medina
die allgemeine Mobilisation angeordnet. Überall war die Rede von Dschihad (=
heiliger Krieg) und Schahadat (Märtyrertum). Ein harter, schwerer Kampf stand
bevor, die Muslime würden sich, ihre Religion und ihr Gebiet mit allen Kräften
verteidigen müssen. Die jungen, mutigen Männer küssten ihren Müttern zum
Abschied die Hand, und die Väter verabschiedeten sich von Frauen und Kindern.
Scharen über Scharen zogen die Muslime nach dem Morgengebet vor die Stadt, um
dort die feindlichen Truppen zu erwarten.
Im Monat Schawwal 3 n. H. trafen die
feindlichen Armeen beim Berg Uhud aufeinander, 3000 Ungläubige gegen 700
Muslime. Hz. Muhammad (s.a.s.) stellte seine Truppen am Fuß des Berges Uhud
so auf, dass der Berg in ihrem Rücken lag. Dann ordnete er das Heer für die
Schlacht und postierte 50 Bogenschützen auf den Berghang, um die Rückseite
der islamischen Armee gegen einen möglichen Angriff des Feindes von hinten zu
schützen. Was immer auch geschah, sie sollten ihren Platz nicht verlassen.
Die Muslime kämpften tapfer. Durch die
Schlagkraft von Imam Ali (a.s.), Hamza und einigen anderen wurden die
feindlichen Soldaten derart demoralisiert, dass sie den Überblick verloren
und daran waren, sich im völligen Durcheinander zurückzuziehen. Doch nach
einigen Stunden änderte sich die Situation. Die Bogenschützen glaubten, der
Kampf sei zu Ende, und verließen ihre Stellung auf dem Pass, weil sie sich
auch ihre Beute sichern wollten. Nun preschten die mekkanischen Reiter hinter
dem Berg hervor und griffen, so wie es der Prophet befürchtet hatte, die
muslimischen Kämpfer von hinten an. Dazu kam die falsche Meldung, dass der
Prophet getötet worden sei, was zu einem Chaos unter den Muslimen führte.
Nur Ali und einige andere blieben bei dem Gesandten Gottes und verteidigten
die Person des Propheten. Sie bekämpften die Ungläubigen so ausdauernd, bis
diese das Schlachtfeld räumten.
Die Schlacht von Uhud war für die Muslime
verlustreich. Hamza, ein Onkel des Propheten, wurde mit 70 Gefährten Märtyrer.
Der Gesandte Gottes trug eine Verletzung an der Stirn davon und erlitt einen
Rippenbruch. Aber dieser Krieg war auch ein Gewinn für die Muslime, weil sie
aus ihm etwas Wesentliches lernen konnten. Sie hatten mit eigenen Augen
gesehen und am eigenen Leib erfahren, was geschieht, wenn sie den Anordnungen
des Propheten nicht Folge leisteten.
Am 15. Ramadan im Jahr drei nach der
Hidschra (einen Monat vor der Schlacht von Uhud) wurde der erste Enkelsohn
Hassan geboren. Der Engel Gabriel überbrachte dem Propheten folgende
Botschaft Gottes: "Gewiss Ali steht zu dir wie Harun zu Musa. So gib
dem Neugeborenen den Namen von Haruns Sohn!" Dieser hieß auf Hebräisch
Schubbar, was auf Arabisch Al Hassan bedeutet.
Am 3. Scha’ban 4 n. H. wurde Imam
Hussein geboren. Der heilige Prophet war überglücklich über seine Enkelsöhne.
Er nahm Hussein wie auch bei Hassans Geburt und flüsterte ihm den Azan in
sein rechtes Ohr und Iqama in sein linkes Ohr, um die Ohren der Kinder zum
ersten Mal mit dem Namen Gottes vertraut zu machen. Wieder erschien ihm der
Engel Gabriel und offenbarte ihm den Namen dieses Kindes. Entsprechend dem
Namen von Haruns 2. Sohn, der auf Hebräisch Schabir hieß, sollte
dieses Kind auf Arabisch Al Hussein bedeutet. Der Prophet wusste über
das zukünftige Schicksal des Kindes Bescheid und umso mehr liebte er es und
sorgte sich um es. Er sagte: "Hussein ist von mir, und ich bin von
Hussein." Und "Derjenige, der ein Freund von Hassan und
Hussein ist, ist mein Freund, und derjenige, der ihr Feind ist, ist mein
Feind."