Die Geschichte des Qur‘an

Abu Abdallah al-Zangani


Inhalt

Seite Vorwort des Herausgebers... 9

1. Einführung ...11

1.1  Muhammad (s.a.s.), der Prophet des Islam und des Qur'an...12

1.2  Die Geburt des Propheten (s.a.s.)... 13

1.3  Eine Situationsbeschreibung jener Zeit... 16

1.4  Der Charakter des Propheten (s.a.s.)... 19

2. Die Entstehung eines Schriftsystems im Hedschas... 23

2.1  Sichtweise der europäischen Historiker... 23

2.2 Die Ansichten der arabischen Historiker...24

2.3 Die in Medina gebräuchliche Schrift ... 28

3. Der Beginn von Wahy (göttlicher Offenbarung)... 31

3.1 Der zuerst geoffenbarte Qur' anvers ...  3 2

3.2 Der Offenbarungszeitraum des Qur' an... 35

3.3  Qur'anrezitation in der Zeit des Propheten (s.a.s.)...37

3.4 Erläuterung...39

 

4. Niederschrift des Qur'an in der Zeit der Offenbarung...45

4.1 Benutzte Schreibmaterialien...46
4.2 Die Sammler des Qur'an zu Lebzeiten des Propheten (s.a.s.)...47
4.3. Die Datierung der Suren ... 50

4.4 Anordnung der Qur'ansuren nach der Offenbarung in Mekka und Medina...55

4.5  Schlussfolgerung...59

5. Der Qur'an als Kodex (muxhaf)...61

5.1 Der Qur'an in der Zeit von Abu Bakr und 3Umar... 61

5.2 Der Qur'an in 3Utmans Regierungszeit.... 63

5.3 Die Anordnung der Suren in 3Alis (a.s.) mushaf...67

5.4 Die Anordnung der Suren in Ubayys mushaf... 72

5.5 Die Anordnung der Suren in Ibn Mas 3uds mushaf ...75

5.6 Die Anordnung der Suren in Ibn 3Abbas' mushaf...79

5.7 Die Anordnung der Suren in Imam as-Sadiqs (a.s.) mushaf...82

6. Die sieben berühmten Qurra' (Qur'anrezitatoren)... 87

7. Grammatik und Syntax... 95

7.1 Die Benutzung von I 3rab im Qur'an...95

7.2 Der Gebrauch von I 3Jam im Qur'an... 97

8. Die Europäer und der Qur'an...  101

8.1 Übersetzungen in europäischen Sprachen ...101

8.2 Ansichten einiger Orientalisten zur chronologischen Ordnung der Suren..101

8.3 Zur Eröffnung der Suren...103

9. Transliteration ... 107

 



Islamisches Echo in Europa • 14. Folge

Islamisches Zentrum Hamburg e.V.

Abu Abdallah al-Zangani - Die Geschichte des Qur'an

Deutsche Erstausgabe

Die Deutsche Bibliothek - Cip-Einheitsaufnahme Al-Zangani, Abu 3Abdallah Die Geschichte des Qur'an (Islamisches Echo in Europa; Bd. 14 Hamburg: Islamisches Zentrum Hamburg, 1999 ISBN 3-925165-10-X

Alle Rechte vorbehalten

©1999 Islamisches Zentrum Hamburg e.V.

Schöne Aussicht 36, D-22085 Hamburg

Tel. (040) 22 12 20/40

Fax (040) 220 43 40

ISBN 3-925165-10-X

 

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

Vorwort

Das Buch mit dem Titel „Tariv al-Qur'an" wurde erstmals 1354/1935 in Kairo in arabischer Sprache veröffentlicht. Allamah Zangani (1309-1360/1881-1941) ging nach Studien in seinem Heimatort und später in Teheran, 1330/1922 nach NaJaf, wo er bis 1338/1919 blieb und die Igtihadkom-petenz erlangte.

Er reiste nach Palästina, Syrien und zweimal nach Ägypten und traf Gelehrte der berühmten Universität Al-Azhar. Nach seiner zweiten Ägyptenreise 1354/1935 lehrte er bis zu seinem Tod im Jahre 1360/1941 einige Jahre lang an der Theologischen Hochschule (Danipkadeye Ma'qul wa Manqul) in Teheran.

Zu seinen bekanntesten Werken gehören abgesehen von einer Reihe von Artikeln und Übersetzungen, Usul al-Qur'an al-igtima iyyah, Kitab al-afkar, Xaharat Ahl-al-Kitab, Sirr-e intipar-e Islam, Baqa'an-nafs, al-Faylasuf al-Farisi al-kabir Sadr ad-Din ap-Pirazi (Leben und Philosophie von Mulla Sadra) und Azamat-e Husayn ibn Ali (a.s.).

Von wesentlicher Bedeutung ist der Hinweis darauf, dass diese Geschichte des Qur'an zwar von einem si ^tischen Gelehrten verfaßt wurde, aber hauptsächlich auf sunnitischen Quellen beruht. Sie enthält daher einige Punkte, die nicht mit dem si tischen Standpunkt übereinstimmen. So werden beispielsweise die Namen von Abu Sufyan und seinen Söhnen unter den Schreibern der Offenbarung erwähnt. Diese und andere Aussagen dieser Art, die in dem Buch vorkommen, gelten aus si itischer Sicht als kontrovers.

Islamisches Zentrum Hamburg e.V.

9

1. Einführung

Aller Lobpreis gebührt Allah, der den Menschen lehrt, was er nicht wuss-te. Und gesegnet sei der Heilige Prophet (s.a.s.), der den Qur'an überbrachte, der den Menschen zur Rechtleitung führt. Und Friede sei mit seiner Familie und seinen Gefährten, die das leuchtende Licht in der Dunkelheit sind.

Seit dem Tag der Offenbarung des Qur'an und seiner Überbringung durch den Propheten (s.a.s.) zeigten alle Muslime, angefangen bei den Gefährten des Propheten (s.a.s.), die Tabi'un (die zweite Generation der Muslime, die die Gefährten erlebt hatten), die muslimischen Gelehrten und die Experten der Qur'anrezitation so große Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit wie sie im Hinblick auf eine Himmlische Schrift nie zuvor an den Tag gelegt worden war.

Die große Anzahl von Büchern, die über die qur'anischen Wissenschaften seit Anbeginn der islamischen Ära von Gelehrten, Exegeten, den Lesern des Qur'an und den Intellektuellen verfaßt wurden, reicht aus, um diese Behauptung zu belegen. Beim Eintauchen in die Schwierigkeiten und Geheimnisse dieses Göttlichen Buches, bei seinem Studium und seiner Erörterung haben sie unterschiedliche Richtungen eingeschlagen und die unbekannten Wege und weitläufigen Gebiete durchquert.

Auch europäische Gelehrte haben seit dem 11. Jahrhundert - ihren orientalischen Kollegen nacheifernd - diesen Weg beschritten und begonnen, die auf die Geschichte und Exegese des Qur'an bezogenen Fragen zu studieren und Bücher über den Qur'an und seine Kommentare aus akademischer Sicht methodisch und mit großer Sorgfalt zusammenzutragen.

In den letzten Jahren haben die Deutschen empfehlenswerte Arbeit geleistet. Die Wissenschaftliche Gesellschaft in München hat große Anstrengungen im Hinblick auf dieses erhabene Buch unternommen und beschlossen, alle auf den Heiligen Qur'an bezogenen Originalquellen und die über die qur'anischen Wissenschaften verfassten Bücher zusammenzutragen, z. B. über die Erklärungen und Interpretationen von qur'anischen Begriffen, Symbolen und Metaphern...

Um die nun vorliegende Geschichte des Qur'an (Ta'riv al-Qur'an) zusammenzutragen, habe ich die relevanten Materialien zu diesem Thema und verwandten Themenbereichen bereits vor langer Zeit aus verschiedenen Büchern zusammengetragen und kritisch und sorgfältig untersucht. Das vorliegende Buch gibt eine Zusammenfassung meiner Studien und For-

11

schungen wieder, die in Wirklichkeit einen Teil der Einführung in den Qur'an-kommentar darstellen, den ich in Form einer rationalen Analyse und logischen Untersuchung des Qur'an zusammentragen möchte. Entsprechend beginne ich dieses Buch mit einer kurzen Darstellung des Charakters des Propheten (s.a.s.), die auf zuverlässigen Überlieferungen und authentischen Quellen beruht. Ich hoffe, dass die Leser aus dieser Schrift Nutzen ziehen. Gott, der Allmächtige, möge mir gnädig sein. Ihn allein bitte ich um Hilfe.

1.1 Muhammad (s.a.s.), der Prophet des Islam und des Qur'an

Ebenso wie das göttliche Gesetz im Schöpfungssystem wirkt, um die gesamte Welt der Materie und des Seins mit dem Licht der Sonne am Leben zu erhalten, wirkt auch das Göttliche Gesetz darauf hin, die menschliche Seele mittels der Propheten und prophetischen Missionen zu beleben. Auf die gleiche Weise wie die Strahlen der Sonne die beste Führung für den Menschen in der Welt des Seins zum Licht sein können, sind die Strahlen des Lichtes, die aus der göttlichen Offenbarung der Propheten hervorgehen, die beste Führung für die Menschen, die sie zum strahlenden Wort Gottes führen. Das Wort Gottes, des Allerhöchsten, das dem Propheten (s.a.s.) offenbart wurde, ist der Heilige Qur'an, der im folgenden Vers als das Licht bezeichnet wird:

„...Wahrlich, zu euch sind ein Licht von Allah und ein klares Buch gekommen. Damit leitet Allah jene, die sein Wohlgefallen suchen, auf die Wege des Friedens, und er führt sie mit seiner Erlaubnis aus den Finsternissen zum Licht und führt sie auf einen geraden Weg. " (Sure 5, al-Ma'ida, Verse 15 und 16).

Wenn man diesen Vers in seinem historischen Kontext interpretiert, wird man feststellen, dass sich die Länder des Mittleren Ostens und auch der westlichen Welt Anfang des 7. Jh. n. Chr. in einem Zustand des Aufruhrs befanden. Die gesamte Welt war in die Dunkelheit der Ignoranz eingetaucht und die Massen bewegten sich auf Zerstörung und Egoismus zu. Menschliche Zivilisation und Kultur bedeuteten nichts anderes als Bequemlichkeiten für einige wenige Menschen, und ihr politisches Leben lag in den Fesseln ignoranter Vorstellungen. Die Moral der Allgemeinheit hatte aufgrund unbegrenzter Sinnlichkeit ihren tiefsten Punkt erreicht, und ihre Überzeugungen wurden von anhaltenden Disputen und Polemik verdorben. Ihr Blut wurde von Unterdrückern und Tyrannen ohne besonderen Zweck und edles

12

Ziel vergossen. Die Völker der Welt hatten lange zuvor ihre Schönheit und ihren Charme verloren und führten ein animalisches Dasein.

In diesem moralischen und intellektuellen Verfall erschien das helle Licht von Muhammad (s.a.s.) am dunklen Horizont zur Rechtleitung dieser in die Irre gegangen Welt und gab diesem leblosen Körper neues Leben. Mit dem Heiligen Buch in seinen Händen und mit dem ewig erleuchtenden Prinzip der Einheit Gottes (Tawhid) und der Rechtleitung lud er die Völker des Ostens und des Westens ein, dieses Licht anzunehmen. Er veränderte die ungebührlichen und entwürdigenden Verhaltensweisen der Erdbewohner in Rechtschaffenheit und Tugendhaftigkeit. Er schuf die Glaubensstruktur der Menschen auf der Grundlage gegenseitiger Freundlichkeit und Vergebung, und festigte ihre sozialen Beziehungen, indem er unter ihnen einen Geist der Freundschaft und der Einheit förderte. Sein Kampf und sein Bemühen zielten darauf ab, die Schönheit des guten Verhaltens zu realisieren. Weder hatte er weltliche Ambitionen irgendwelcher Art, noch hatte er die Absicht, irgendwelche Reichtümer an sich zu reißen oder ein Weltreich zu gründen. Sein Ziel war es, diese Welt mit allen Mitteln zu einem vollkommen makellosen und zivilisierten Ort zu machen, und das menschliche Denken von den jahrhundertealten Fesseln der Unwissenheit zu befreien. Er verkündete der Welt das unveränderliche Gesetz der Freiheit des Verstandes mit folgenden Worten: „ Und verfolge nicht das, wovon du keine Kenntnis hast. Wahrlich, das Ohr und das Auge und das Herz - sie alle sollen zur Rechenschaft gezogen werden. " (Sure 17, al-Isra', Vers 36).

Nun werde ich einen kurzen Einblick in das Wesen des Propheten (s.a.s.) und großen Reformators auf der Grundlage der authentischsten Quellen geben.

1.2 Die Geburt des Propheten (s.a.s.)

Diejenigen, die versucht haben, das Geburtsdatum des Propheten (s.a.s.) zu bestimmen, sind bei ihren Untersuchungen auf zwei wesentliche Hindernisse gestoßen:

1. Die Araber hielten ihre Geschichte nicht schriftlich fest, weil die Schrift zu jener Zeit neu entstanden war.

2. Das Fehlen jeglicher Informationen über den Kalender, den die Araber in der Zeit der Unwissenheit (jahiliyya) befolgten; wir wissen nicht, ob sie ein Mond- oder ein Sonnenjahr hatten, wodurch der korrekte Zeitpunkt sei-

13

ner Geburt im Monat Rabi al-'Awwal bestimmt werden könnte, weil sich auch die Namen der vorislamischen Monate von den heute gebräuchlichen unterschieden.

Caussin de Perceval1 vertrat die Meinung, dass die vorislamischen Araber den Mondkalender hatten. Damit folgte er der Ansicht von Abu al-Rayhan al-Biruni2 und einigen anderen muslimischen Historikern, wonach die Araber nach jeweils drei Jahren immer einen Monat hinzufügten und somit die Ungleichheit der Monate und Jahreszeiten zwischen ihrem und dem Sonnenjahr beseitigten. Deshalb hatten sie sowohl Sonnen- wie auch Mondjahre. Wir haben keine anderen Dokumente als die Erzählungen der zuverlässigen schiitischen und sunnitischen Gelehrten im Hinblick auf die Biographie des Propheten (s.a.s.).

Eine Mehrheit der muslimischen Gelehrten und die frühen Traditionarier (Muhadditun), Rechtsgelehrten und Historiker stimmen darin überein, dass die Geburt des Propheten (s.a.s.) in den Monat Rabi al-'Awwal und das Jahr des Elefanten (3Am al-Fil) fiel.3

Al- Pay v al-Mufid Muhammad ibn Muhammad ibn al-Nu3man4 sagt in seinem Buch „Hada'iq al-riyaw", in dem er von den wichtigen religiösen Daten berichtet, dass der Prophet (s.a.s.) am 17. Rabi al-'Awwal geboren sein.

1  Caussin de Perceval, ein bekannter Orientalist, dessen detaillierte Darstellung in der Biographie der Orientalisten (Fahrhang-e Vawarpinasan) gegeben wurde, lebte von 1759 bis 1835 n. Chr. Er veröffentlichte 1843 einen Artikel zu dem genannten Thema im „Asian Journal". Siehe auch das Buch „Astronomy and its History in the Medieval Ages Among the Arabs" von Carlo Nalinu, einem 1873 geborenen italienischen Gelehrten, S. 94.

2  Abu al-Rayhan ibn Ahmad al-Biruni wurde 362/973 in Vawarism geboren und starb 430/1038 in 5aznin, Afghanistan. Er ist auch als al-Katib bekannt. Er war einer der größten Gelehrten der muslimischen Welt was die Astronomie und die Mathematik anbelangt. Zu seinen bekanntesten Werken zählen Ta'riv al-Hind und al- 3Atar al-Baqiyah.

3  Als „Am al-Fil" wird das Jahr bezeichnet, in dem Abrahah, der abessinische Herrscher von al-Yaman, mit einer Reihe von Elefanten nach Mekka zog mit der Absicht, die Ka'ba zu zerstören. Er wurde schwer geschlagen und sein Armee zerstört.

4  Al-Payv al-Mufid (gest. 413/1022) ist einer der herausragenden schiitischen Gelehrten. Ibn al-Nadim schreibt in al-Fihrist, dass er in seiner Zeit die Führung der mutakkalimun inne hatte. Er fügt hinzu, dass al-Mufids philosophisches Wissen dem seiner Kollegen überlegen und er ein sachkundiger Lehrer war.

14

Ibn Xawus al-3Alawi5 schreibt in seinem Buch „al-Iqbal": „Die Gelehrten, die ich traf, beachteten Freitag, den 17. Rabi al-'Awwal im Jahr des Elefanten als Geburtstag des Propheten (s.a.s.)."

Al-MaJlisi,6 der Verfasser von „Bihar al-'Anwar" schreibt: „Mit Ausnahme von einigen imamitischen Schiiten glauben alle, dass der Prophet (s.a.s.) am 17. Rabi al-'Awwal im 42. Jahr der Herrschaft von Vusru Anu-pirwan geboren wurde, und diese Ansicht wird gestützt von der Aussage des Propheten, die besagt: ,Ich wurde in der Herrschaftszeit von Anupirwan, dem gerechten König, geboren.'"

Der Verfasser von al-Kafi stimmt mit dieser Gruppe von schiitischen Gelehrten nicht überein und vertritt die Meinung, dass der Prophet (s.a.s.) nach zwölf Nächten im Monat Rabi al-'Awwal geboren wurde.

Hafic Abu Zakariyya Muhyi al-Din ibn Paraf al-Nawawi (gest. 676/1277) schreibt in seinem Buch „Tahdib al-'asma' wa al-lugat", dass es allgemein anerkannt sei, dass der Prophet (s.a.s.) im Jahr des Elefanten zur Welt kam.

Ibrahim ibn al-Mundir al-Vuzami, Payv al-Buvari, Valifah ibn al-Vayyax und andere stimmen darin überein, dass der Prophet an einem Montag im Monat Rabi al-'Awwal geboren wurde, aber sie sind unterschiedlicher Meinung, ob dies am zweiten, achten, zehnten oder zwölften Tag dieses Monats war. Alle diese vier Daten werden allgemein akzeptiert.

Um den Geburtstag des Propheten (s.a.s.) zu bestimmen, hat Mahmud Papa,7 der bekannte ägyptische Mathematikprofessor, eine Methode angewandt, die verlässlich zu einem korrekten Datum führt. Seine Methode ist wie folgt: Er untersuchte zuerst den Kalender, der von den Arabern befolgt wurde, und untersuchte ihn darauf hin, ob es sich um einen Sonnen- oder

5  Ibn Xawus, Abu al-Qasim al-Sayyid Rawi al-Din 3Ali ibn Musa (589-664/1193-1266) ist der Verfasser von Kitab al-iqbal, al-Misbah und Farhat al-nacir. (Abu al-Qasim Sahab hat in seinem Buch Muftah al-'a3lam einen kurzen Bericht über sein Leben und seine Werke gegeben.

6  Al-MaJlisi, Muhammad Baqir ibn Muhammad Taqi al-MaJlisi al-Isfahani (gest. 1110/1698), ist der Verfasser von Bihar al-Anwar, der größten schiitischen Hadit-sammlung, und einer Reihe weiterer Bücher.

7  Mahmud Papa ibn Hamdi al-Misri war ein herausragender Mathematiker, Astronom und ein Professor der Mathematik. Er starb 1033/1624. Er schrieb eine Abhandlung in Französisch über den vorislamischen Kalender und den Geburtstag des Propheten (s.a.s.), der 1858 n. Chr. in Paris veröffentlicht wurde und dann von Professor Zaki Papa ins Arabische übertragen wurde und 1889 in der Bulaq Presse erschien.

15

Mondkalender handelte. Er trug alle Überlieferungen und Beweise zusammen und zog seine Schlussfolgerung auf der Grundlage von drei Daten:

1. Dem Todestag von Ibrahim, dem Sohn des Propheten.

2. Dem Tag der Ankunft des Propheten (s.a.s.) in al-Madina nach seiner Auswanderung aus Mekka.

3. Dem Geburtstag des Propheten.

Diese Daten entsprechen alle dem julianischen Kalender. Der Professor zog seine Schlussfolgerung aus den astronomischen Erscheinungen:

•   Der Sonnenfinsternis, die sich nach Berichten der Traditionarier am Todestag Ibrahims im zehnten Jahr nach der Auswanderung ereignete.

•   Dem Aufeinandertreffen von Saturn und Mars im Haus des Skorpions, das sich nach Meinung einiger Astronomen im Geburtsjahr einige Tage vor der Geburt des Propheten (s.a.s.) ereignete, was als Hinweis oder Omen für das Erscheinen des Islam angesehen wurde.

•   Dem Tag der Ankunft des Propheten in Medina, der bestimmt wird durch das jüdische Sühnefest, da die Mehrheit der Traditionarier und Biographen des Propheten (s.a.s.) die Meinung vertreten, dass der Prophet (s.a.s.) am Tag des jüdischen Festes in al-Madina ankam.

Papa übertrug dann dieses Ereignisse in den Sonnenkalender und kam zu dem Schluss: „Da die arabischen Monate, in denen diese drei Ereignisse stattfanden, bekannt sind, ist Montag, der 9. Rabi al-'Awwal (20. April 571 n. Chr.) der Geburtstag des Propheten."

1.3 Eine Situationsbeschreibung jener Zeit

Das gesegnete Licht Muhammads, des Sohnes von 3Abd Allah, dem Sohn von 3Abd al-Muxxalib vom Stamme Qureisch der Banu Hapim, erschien Anfang des 7. Jahrhunderts n. Chr. Er verkündete die Religion des Islam, und seine Botschaft wurde mit einer noch nie da gewesenen Geschwindigkeit auf der gesamten Arabischen Halbinsel verbreitet. Diese wahrhaftige Religion verbreitete sich in den Ländern des Orients mit allen zu jener Zeit vorhandenen Möglichkeiten.

Während dieser Zeit waren Ägypten und Syrien unter der Herrschaft des Byzantinischen Reiches, was unter den Arabern als Römisches Reich bekannt war, und von Heraklius beherrscht wurde. Mesopotamien und Jemen

16

waren unter der Herrschaft des Persischen Reiches und wurden von Anupir-wan beherrscht.

Diese beiden großen Reiche bekriegten sich einander, und zerfielen wegen innerer Aufstände und Intrigen. Ihre Schätze wurden geraubt. Die Truppen Vusraus eroberten 611 n. Chr. die Stadt al-Raha8 von den Römern und raubten eine große Anzahl von seltenen und wertvollen Gegenständen. 617 wurde Ägypten angegriffen und Alexandria erobert. Eine andere Division der iranischen Armee marschierte in Richtung Kleinasien und besetzte es. Es gab kein Hindernis mehr zwischen der Hauptstadt und der Armee, ausgenommen den Bosporus. In der Zwischenzeit war Heraklius aus seinem tiefen Schlaf erwacht und traf Kriegsvorbereitungen. Er eroberte alle Städte zurück. In der Entstehungszeit des Islam befanden sich diese beiden riesigen Reiche im Krieg miteinander, der 638 n. Chr. endete.

Zu jener Zeit konkurrierten diese beiden Reiche miteinander um ihre Herrschaftsgebiete und auch um eine Ausdehnung ihrer Herrschaft über Arabien, das einerseits aufgrund seines Mineralien- und Goldreichtums und andererseits aufgrund seiner geographischen Lage - es lag auf dem Weg nach Indien - große Bedeutung erlangt hatte.

Nachdem die Römer unter der Führung von Ilus Gallus 18 v. Chr. Arabien mehrmals angegriffen hatten, gaben sie unter der Regierung von Augustus Cäsar das Vorhaben auf, Arabien zu erobern, und beschlossen, stattdessen einen Friedensvertrag mit Arabien zu schließen. Die Römer erwählten die Könige von 5assan zu ihren Verbündeten und übertrugen ihnen die Aufgabe, die Grenzen Arabiens gegen Syrien und Palästina zu schützen und ihren Einfluss im Land zu vermehren

Auch die iranischen Herrscher verfolgten diese Politik, und legten ihr Vertrauen in die Könige von al-Mundir, die die Herrscher von Hirah waren und übertrugen ihnen die Aufgabe, den Römern zu widerstehen und das Prestige des Iran in Arabien zu verbessern.

In jener Zeit war das Christentum die Religion der Römer, und der Zoro-astrismus9 war die offizielle Religion der Iraner. Die Zarathustrier mieden die Christen, während die Juden sie unterstützten. Sowohl die Christen wie auch die Juden waren in mehrere Sekten unterteilt.

8  Al-Raha ist eine 190km nordöstlich von Halab gelegene Stadt (Qamus al-'a3lam, türkische Ausgabe).

9  Der Glaube, die Quelle des Guten zu verehren und sich der Quelle des Bösen zu widersetzen.

17

In ihrem eigenen Land praktizierten die Araber die Anbetung von Sternen und Götzen. Das Judentum und das Christentum kamen über Syrien und der Zoroastrismus kam über den Irak nach Arabien.

Unter den Arabern glaubten einige Menschen an Gott, aber sie glaubten nicht an das Jenseits, während andere wiederum sowohl Gott wie auch das Jenseits leugneten. Sie vertraten die Ansicht, dass die Natur der Schöpfer und die Zeit der Zerstörer des Lebens sei. Sie alle glaubten an das Schicksal, an Geister und Dämonen, und waren tief überzeugt vom Einfluss der Sterne und der Deutung ihrer Träume. Zu ihren vielen üblen Gewohnheiten und Sitten gehörte es, ihre Töchter lebendig zu begraben, ferner Unfreundlichkeit, Grausamkeit, Alkoholgenuss, Glücksspiel und andere Abscheulichkeiten. Kurz gesagt herrschten Egoismus und Verderbtheit im politischen, institutionellen, religiösen und moralischen Leben des Ostens vor, und die Menschen im Osten selbst waren sehr darum bemüht, sich von diesem Eigensinn und diesen Übeln zu befreien.

Als der Prophet des Islam (.s.a.s) erschien, lud er sein Volk ein, die glorreiche Parole „Es gibt keinen Gott außer Gott und Muhammad ist sein Prophet" anzunehmen, und lenkte Ihre Aufmerksamkeit von den Sternen des Himmels auf den Heiligen Qur'an.

Es war der Qur'an, mit all seiner eloquenten, flüssigen Rhetorik und seinem schönen Arrangement, der die Lehre von der Einheit Gottes verkörperte, des Glaubens, der der menschlichen Natur förderlich ist. Darüber hinaus enthält der Qur'an selbst den Kodex des menschlichen Verhaltens, Weisheit (hikma), Gesetze, Wissenschaft, Geschichte, Politik und eine edle Moral.

Der heilige Prophet (s.a.s.) wurde in der Nähe der Ka3ba geboren und Mekka war ein Handelszentrum, wohin die Araber aus weiter Entfernung und fernen Orten kamen. Der Prophet (s.a.s.) gehörte dem Stamme der Qu-reisch an, die das Privileg der religiösen Führung der Araber inne hatten und ihre eigenen wirtschaftlichen Beziehungen mit dem Jemen, Syrien und dem Irak pflegten.

Der Prophet (s.a.s.) motivierte sein Volk dazu, den Islam zu verbreiten, und forderte die Menschen auf, sich auf dem Wege Allahs zu bemühen, wofür der höchste Rang im Paradies zu erwarten sei. Die Araber schätzten die Redegewandtheit und die Vortrefflichkeiten der Rhetorik sehr. Ihre natürliche Freiheitsliebe wurde von den erhabenen Werten der Großzügigkeit, der Würde, der Tapferkeit und des Mutes geschürt. Darüber hinaus waren sie einerseits an fortgesetzte Auseinandersetzungen und ein gefährliches Leben in der Wüste gewöhnt, und andererseits erwiesen sich das Versprechen des

18

Paradieses, die Redegewandtheit des Propheten und die Schönheit seines Wesens als lebendiges Motiv für ihre Tatkraft. Deshalb unterstützen sie ihn bereitwillig. So waren sie in der Lage, ihre Herrschaft zu vergrößern und ihr Gesetz und ihre Sprache innerhalb eines Jahrhunderts von Indien bis zum Atlantischen Ozean und vom Kaspischen Meer bis zum Mittelmeer, zum Indischen Ozean und bis zum Sudan zu verbreiten.

1.4 Der Charakter des Propheten (s.a.s.)

Hier werde ich kurz auf den lobenswerten Charakter des Propheten, seine Botschaft und die Art und Weise der Verbreitung seiner religiösen Einladung mit Verweis auf die authentischen Quellen und die von hervorragenden muslimischen Gelehrten verfassten Bücher geben.

Der Prophet (s.a.s.) wurde gemäß der populären sunnitischen Überlieferungen am 12. Rabi al-'Awwal in Mekka geboren, am 9. Tag dieses Monats gemäß genauester Berechnung und am 17. Tag dieses Monats gemäß den Überzeugungen der imamitischen Schia, was zusammenfällt mit dem 20. April 571 n. Chr. und dem Jahr des Elefanten. Sein Vater starb vor seiner Geburt und sein Großvater väterlicherseits, 3Abd al-Muxxalib, nahm ihn während seiner ersten acht Lebensjahre in seine Obhut. Als auch sein Großvater starb, übernahm sein Onkel Abu Xalib die Verantwortung für ihn.

In dieser Zeit führten die Qureisch Handel mit dem Jemen, mit Syrien und mit dem Irak. Auch Abu Xalib war in diesem Bereich tätig. Als Muhammad 13 Jahre alt war, nahm er ihn auf eine Reise nach Syrien mit. Er wurde als ein intelligenter, kluger, edler, ehrlicher und reinherziger Jugendlicher angesehen. Die Zeichen seines edlen Charakters, seiner Weisheit und seiner Größe und Vortrefflichkeit gingen aus seinem ehrwürdigen Verhalten hervor.

Den Berichten zufolge sagte Bahira, ein für seine Frömmigkeit und Rechtschaffenheit bekannter christlicher Mönch, als er Muhammad nach seiner Ankunft mit seinem Onkel in Busra10 sah: „Eine große Aufgabe erwartet diesen Jungen, und bald wird man ihn vom Osten bis zum Westen der Welt kennen."

Als Muhammad (s.a.s.) 25 Jahre alt geworden war, wurde er von VadiJah, der Tochter von Vuwaylid, einer der reichsten Frauen Arabiens, mit ihrem

10 Busra war in der Zeit der Römer eine bekannte, etwa 90km von Damaskus entfernt gelegene Stadt.

19

Sklaven nach Syrien entsandt. Von seiner Reise brachte er große Gewinne mit. VadiJah fand an seinen Fähigkeiten, seiner Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit gefallen, und sie bot ihm die Ehe an.

Wie bereits erwähnt, war VadiJa eine der angesehensten Frauen der Qu-reisch; sowohl wegen ihres Reichtums als auch wegen ihrer Vorzüge hatte sie eine höhere und ehrenvollere Stellung als die anderen. Wegen ihres Besitzes und ihrer edlen Abstammung erwies sie sich als der beste Kamerad und Unterstützter des Propheten (s.a.s.) sowohl vor als auch nach Beginn seiner prophetischen Mission.

Der Prophet (s.a.s.) hatte in seiner Jugend die besten Gewohnheiten, ein Gefühl für Selbstrespekt, Ehre und Würde erworben. Insbesondere der Zustand seines Volkes lag ihm sehr am Herzen und er konnte es nicht ertragen, dass die Menschen in die Irre gingen. Er glaubte fest an die Existenz der Einheit Gottes, an das Jenseits und die Unsterblichkeit der Seele. Er war frei von Sünden und ein frommer Mensch, der es liebte, Gott mit großer Hingabe anzubeten.

Meist zog sich der Prophet zurück und wählte die Einsamkeit der Höhle Hira', nahe der heiligen Stadt Mekka, um Gott zu verehren und anzubeten. So lebte er bis zu seinem 40. Lebensjahr. In diesem Jahr, in der Nacht der Macht (Laylat-ul-Qadr), am 1. Februar 610 n. Chr., als er in der Einsamkeit der Höhle Hira meditierte, wurde er vom Erzengel Gabriel besucht, den Gott zu ihm entsandt hatte, um ihm die Göttliche Botschaft zu überbringen.

Der Prophet (s.a.s.) berichtete die Neuigkeit seiner Frau VadiJa, und sie, sein Cousin 3Ali ibn Abi Xalib, sein Sklave Zayd ibn Haritah and sein Freund Abu Bakr nahmen als erste den Islam an. Sie luden die Menschen ihres Vertrauens im Geheimen zur Annahme des Islam ein. 3Utman ibn 3Affan al-Zubayr ibn al-3Awwam, 3Abd al-Rahman ibn 3Awf, Sa3d ibn Abi Waqqas und Xalhah ibn 3Ubayd Allah nahmen den Islam an. Diese Menschen wurden die ersten Muslime (Sabiqun) genannt.

In den ersten drei Jahren lud der Prophet (s.a.s.) die Menschen im Stillen zum Islam ein, bis sie vierzig Leute waren. Unter ihnen sind 3Umar ibn al-Vaxxab und sein eigener Onkel Hamzah ibn 3Abd al-Muttalib hervorzuheben. Danach lud er seine Mitmenschen öffentlich zum Islam ein und erzeugte Ehrfurcht in ihren Herzen. Einige von ihnen lehnten seine Einladung ab und bekämpften ihn mit allen möglichen Mitteln. Als Hüter der Heiligen Ka3ba und Verantwortliche für das arabische Gesetz fürchteten sie sich davor, diese neue Religion des Islam anzunehmen, denn sie befürchteten, dies könnte den Zorn der anderen arabischen Stämme heraufbeschwören und

20

diese dazu veranlassen, ihre Handelsbeziehungen mit ihnen zu brechen. Darüber hinaus erschien ihnen auch die Vorstellung schmerzlich, dass ihnen Muhammad trotz seiner begrenzten Ressourcen überlegen werden könnte. Folglich waren die mächtigsten und wirksamsten Gegner und Kritiker die Würdenträger und reichsten Mitglieder der Qureisch. Auf jeden Fall aber wurde der Prophet (s.a.s.) von einigen seiner engen Verwandten geschützt.

Unter diesen Umständen, als seine Gefährten großem Druck ausgesetzten waren, beschlossen diejenigen von ihnen, die sich nicht selbst verteidigen konnten, nach Abessinien zu emigrieren. Unter ihnen waren 3Utman ibn 3Affan, al-Zubayr ibn al- 3Awwam, 3Abd al-Rahman ibn 3Awf und ja 3far al-Xayyar. Der abessinische Herrscher bereitete ihnen einen herzlichen Empfang. Einige von ihnen kehrten vor der Auswanderung nach Medina (HiJra) nach Mekka zurück, aber die meisten von ihnen kehrten im siebten Jahr nach der HiJra zurück.

VadiJa, die Frau des Propheten (s.a.s.) starb nach 25 Ehejahren, und nach ihr starb der Onkel des Propheten, Abu Xalib. Mit dem Tod dieser zwei starken Unterstützer nahm die Anzahl seiner Anhänger ab. Aber diese Ereignisse konnten ihn nicht entmutigen und seine Entschlossenheit schwächen. Vielmehr begann er, Marktplätze zu besuchen, an HaJJversammlun-gen teilzunehmen, und die Araber öffentlich zum Glauben an den einen Gott und die natürliche Religion einzuladen. Er forderte sie auf, den Götzendienst aufzugeben. Er verbat den Menschen Alkohol, das Glücksspiel, ihre Töchter bei lebendigem Leib zu begraben und alles andere, dass er im heidnischen arabischen Gesetz als ungesetzlich und schädlich ansah.

Mittlerweile hatten sechs Leute von al-Madina (Jathrib), die alle dem Stamm al-VazraJ angehörten, den Islam angenommen. Als sie zu ihren Verwandten zurückkehrten, fühlten sich noch viele mehr vom Islam angezogen und nahmen diesen Glauben an.

Im darauffolgenden Jahre kamen zwölf weitere Personen von den Stämmen al-'Aws und al-VazraJ zum Propheten (s.a.s.) und schworen ihm und seinem Glauben, dem Islam, Treue. Der Prophet (s.a.s.) entsandte Mus 3ab ibn 3Umayr mit ihnen, damit er diesen Menschen die religiösen Grundlagen des Islam lehren konnte, und dank seiner Anstrengungen verbreitete sich der Islam in al-Madina, so dass es kein Haus gab, in dem nicht der Name des Propheten (s.a.s.) erwähnt wurde.

Im dritten Jahr kamen anlässlich der HaJJ 73 Männer und zwei Frauen zu ihm, gelobten ihre Treue und erklärten ihre Bereitschaft, ihm jederzeit mit allen Mitteln zur Seite zu stehen, wenn er nach al-Madina kommen wolle.

21

Der Prophet (s.a.s.) wollte seinen Anhänger in al-Madina mit seinen mekka-nischen Anhängern vereinen. Als die Qureisch von diesem Plan erfuhren, fürchteten sie, die Medinenser würden sie angreifen und Krieg gegen sie führen. Um dies zu verhindern beschlossen sie, den Propheten (s.a.s.) zu töten.

Der Prophet (s.a.s.) emigrierte heimlich am 20. September 622 n. Chr. von Mekka nach Medina. Danach folgten ihm seinen Anhänger und Unterstützer aus Mekka. Sie wurden später als die MuhaJirun (die Emigranten) bezeichnet, und die Anhänger in al-Madina als Ansar (die Helfer). Der Prophet (s.a.s.) verband diese beiden Gruppen in Brüderlichkeit, und jeder MuhaJirun wurde zum Bruder eines Ansar.

Mit der wachsenden Anzahl seiner Anhänger in al-Madina propagierte der Prophet (s.a.s.) seine Religion. Er wollte nichts anderes, als die Werte der Reinheit und Tugendhaftigkeit verbreiten, die er auch für sich selbst wünschte.

22

2. Die Entstehung eines Schriftsystems im Hedschas (Mekka und Medina) und seine Entwicklung zu der Schrift, in der der Qur'an geschrieben werden sollte.

Die arabische Schrift ist mit der demotischen (oder ägyptischen) Schrift verwandt, die in jener Zeit11 gebräuchlich war. Davon abgespalten hat sich die phönizische Schrift, die im Gebiet der Phönizier bei Kanaan an der Küste des Weißen Meeres (Mittelmeeres) benutzt wurde, das heute als Libanongebirge bekannt ist.

Die Phönizier gehörten der semitischen Völkerfamilie an, die meisten von ihnen hatten sich jedoch aufgrund von Handels- und Geschäftsbeziehungen mit den Ägyptern und anderen vermischt. Von ihnen erlernten sie das Schreiben von Schriftzeichen und entwickelten daraus einfache und unkomplizierte Buchstaben für den Geschäftsgebrauch.

Aus den ägyptischen Schriftsystemen entlehnten die Phönizier etwa fünfzehn Buchstaben und veränderten sie geringfügig, wie der berühmte Archäologe Maspero12 in seinem Buch „Histoire ancienne des peuples de l'Orient classique" beschrieb. Danach fügten sie die übrigen Buchstaben hinzu. Auf diese Weise wurde ihr Alphabet aufgrund seiner Einfachheit und Leichtigkeit populär und verbreitete sich in Europa und Asien.

Die dritte Abspaltung ist die aramäische Schrift13, hinsichtlich derer zwischen europäischen und asiatischen Historikern eine Kontroverse besteht.

2.1 Sichtweise der europäischen Historiker

Die europäischen Historiker nehmen an, dass folgende vier Schriftarten aus der phönizischen Schrift abgeleitet sind:

1. die griechische Schrift, die mit allen europäischen und der koptischen Schrift verwandt ist;

11  Die Ägypter hatten drei Schriftarten: erstens die Hieroglyphen, die der religiösen Elite vorbehalten waren; zweitens Hieratisch, das von Hofsekretären und Regierungsbeamten gebraucht wurde; drittens Demotisch, das die nationale und allgemein im Volk verbreitete Schrift war und als einfachste der drei angesehen wurde.

12 Maspero war ein Archäologe, der 1846 geboren wurde und 1916 starb.

13  Aramäisch ist die Sprache eines antiken semitischen Volkes, der Aramäer, die in Palästina und Syrien lebten und angeblich von Aram., dem Sohn von Sem, abstammen. Sie sind die Vorfahren der Araber.

23

2. das alte Hebräisch, das mit Samaria in Verbindung gebracht wurde;

3.  die himjaritische Musnad-Schrift14, aus der sich die äthiopische Schrift entwickelte;

4. die aramäische Schrift, die mit sechs anderen Schriften verwandt ist;

a) die Hindi-Schrift in ihren sämtlichen Formen;

b) die alterpersische Schrift (Pahlawi);

c) die quadratische hebräische Schrift;

d) die palmy renische Schrift (von Palmyra oder Tudmur);

e) die syrische Schrift;

f) die nabatäische Schrift.

Nach Ansicht der europäischen Historiker ist die arabische Schrift von zweierlei Art: die erste ist die Kufi-Schrift, die aus syrischen Buchstaben entwickelt wurde und als Estrangelo15 bezeichnet wird. Die zweite ist das Nasvi der arabischen Schrift, das sich aus der nabatäischen16 Schrift entwickelte. Aus diesem Grunde wird die Musnad-Schrift nicht als mit der arabischen Schrift verwandt betrachtet. Das Syrische wird als letzte mit dem Nabatäischen verwandte Schrift angesehen.

2.2 Die Ansichten der arabischen Historiker

Sowohl die vorislamischen als auch die nachislamischen Historiker glauben, dass ihre Higazi-Schrift vom Volk al-Hirah17 und al-Anbar18 entlehnt

14 Die al-Musnad-Schrift ist von viererlei Art: erstens Safawi, das as-Safa, einem der Gebirge von Hawran, zugeordnet wird; zweitens Tamudäisch, das dem Stamm der Tamud zugeordnet wird, der in den Dörfern und Städten von Salih lebte, drittens al-Lihyani, das den Bani Lihyan im Norden der arabischen Halbinsel zugeordnet wird; viertens Sabäisch oder Himjaritisch, die Schrift der Bewohner Südarabiens.

15  Estrangelo-Syrisch wurde in drei Schriftarten geschrieben, deren verbreitetste Estrangela zugeordnet wurde.

16 Nabatäa: Das Gebiet in nord-südlicher von Damaskus bis zum Tal von al-Qura in der Nähe von Medina und in ost-westlicher Ausdehnung von Syrien bis zum Golf von Suez, das sich über den Nordwesten der Arabischen Halbinsel und die Sinai-Halbinsel erstreckte. Seine Archive sind noch in den Städten von Salih erhalten, d.h. dem Stammesgebiet der Tamud, Hawran, Damaskus und der Sinai-Halbinsel. Die Nabatäer herrschten über Palästina, Midian, den Golf von Aqabah, al-HiJr und Hawran.

17 Al-Hira lag fünf Kilometer von al-Kufa an der Stelle des heutigen NaJaf.

24

wurde und diese Schrift die Völker dieser beiden Städte durch die Araber von Kindah19 und die Musnad-Schrift der Nabatäer erreichte.

Die arabischen Historiker sind einstimmig der Ansicht, dass die arabische Schrift von Harb ibn Umayyah ibn Abd Pams nach Mekka gebracht wurde, der sie während seiner Reisen von verschiedenen Individuen erlernte, u.a. von Bipr ibn Abd al-Malik, dem Bruder von al-Ukaydir, dem Herrscher von Dumatr al-jandal, der besonders erwähnenswert ist. Bipr blieb bei Harb ibn Umayyah in Mekka und nahm dessen Tochter as-Sahba' zur Frau. Er lehrte einige Leute in Mekka die Schrift und starb dort.

Ibn Abbas20 berichtet, dass das Volk von al-Anbar diese Schrift von dem Volk von al-Hirah entlehnt hat.

Daher war nach Ansicht der arabischen Historiker die Musnad-Schrift mit der arabischen Schrift verwandt. Einer der arabischen Forscher hat die von den arabischen Historikern vertretenen Ansichten in seinem Buch „Hayat al-Lugat al-Arabiyyah" aufgrund folgender Argumente vorgezogen:

1. Wie bekannt ist, haben vier Typen der Musnad-Schriften existiert, und man betrachtet die Safawi-Schrift als dem Phönizischen am nächsten stehend. Man argumentiert, dass dies beweist, dass die Musnad-Schrift selbst

18  Al-Anbar ist eine kleine Stadt am Westufer des Euphrat, 30km von Bagdad entfernt.

19  Kindah ist ein kleine Stammesgruppe in Kahlan im Südteil der Arabischen Halbinsel.

20  Abdurrahman ibn Ziyad ibn An7um überliefert von seinem Vater, dass dieser Ibn Abbas fragte: „Woher habt ihr Qureisch die arabische Schrift gelernt, bevor Gott Muhammad (s.a.s.) zu euch als Propheten schickte? Habt ihr eine Schrift angenommen, die schon entwickelt war, und verbreitet, was schon verbreitet war?" Ibn Abbas sagte, sie hätten sie von Harb ibn Umayyah erlernt. Er fragte weiter: „Und wo hat Harb sie gelernt?" Ibn Abbas erwiderte, er habe sie von Abdullah ibn jad7an gelernt. Jener fragte: „Wo hat Ibn jad7an sie gelernt?" „Vom Volk von al-Anbar", erwiderte Ibn Abbas. Jener fragte weiter: „Wo hat das Volk von al-Anbar sie gelernt?" Ibn Abbas sagte, sie hätten sie vom Volk al-Hirah gelernt. Er fragte, wo das Volk von al-Hirah sie gelernt habe, und Ibn Abbas antwortete: „Es hat sie von jemandem gelernt, der aus dem Jemen zu ihnen kam und dem Stamm der Kindah angehörte." Weiter wurde gefragt: „Wo hat diese Person, die nach al-Hirah kam, die Schrift gelernt?" Ibn Abbas erwiderte, sie habe sie von VafalJan gelernt, dem Offenbarung sschreiber des Propheten Hud (a.s.).

A1-Mas7udi sagt, die Nachkommen von Al-Muhsan ibn jandal ibn Ya7sub ibn Madyan seien das Volk, das die Kunst des Schreibens verbreitete, nämlich die naba-täischen Könige von Midian, Sinai, Hawran und Palästina.

25

im Grunde ein einzelner Schrifttyp war, der enge Verwandtschaft mit der phönizischen Schrift aufweist, und ihre Ähnlichkeit mit dem Aramäischen kann nicht ignoriert werden; sie gelangte vom Jemen und den Aramäern aus über die Kindah und Nabatäer durch al-Hirah und al-Anbar zum Volk des HiJaz. Ich betrachte diese Reise der Schrift als eine zweifelhafte Möglichkeit, denn ihre Ähnlichkeit mit der phönizischen und der Safawi-Schrift stützt die Ansicht, dass die Musnad-Schrift von der phönizischen abgeleitet ist, und nachdem sie im Jemen in Umlauf gekommen war, gelangte sie über den Jemen nach al-Hirah und al-Anbar. Die Ansicht, dass diese Schrift von den Aramäern übernommen wurde stützt die Ansicht, dass die aramäische Schrift mit der Schrift des HiJaz verwandt ist, denn es ist nicht möglich, dass die Aramäer eine andere Schrift in Umlauf brachten als ihre eigene.

2.  Die Vermischung der Nabatäer mit den Jemeniten und ihr enger Kontakt mit einigen der aramäischen Gruppen bedeutet, dass die Nabatäer die Musnad-Schrift von ihnen erlernt haben müssen. Auch diese Möglichkeit betrachte ich als sehr entfernt, denn wenn die Nabatäer ihre Schrift von den Jemeniten aufgrund ihrer Verbindung mit ihnen hergeleitet hätten, dann wäre es auch möglich, dass die Nabatäer ihre Schrift aus demselben Grund von den Aramäern hergeleitet hätten, weil sie auch mit diesen engen Kontakt hatten.

3. Der Konsens der arabischen Historiker, die Reichhaltigkeit der Überlieferungen und ihre Einstimmigkeit hinsichtlich dieser Streitfrage beweisen, dass diese Schrift über den HiJaz in den Jemen gelangte. Somit bin ich der Ansicht, dass auch das dritte Argument schwach ist, denn die Ankunft dieser Schrift über den Jemen widerspricht nicht der Ansicht, dass sie ihren Ausgangspunkt in der aramäischen Schrift hat, und es ist sogar möglich, dass die Jemeniten ihre Schrift aus der aramäischen entwickelt haben, denn sie hatten sich mit den Aramäern vermischt.

4.  Das Vorhandensein von Reimbuchstaben, ar-rawadif, wie dacig oder tavvid, wie sie in der Musnad-Schrift existieren, ist ursprünglich himjari-tisch und im Aramäischen nicht zu finden.

Meiner Ansicht nach ist auch das vierte Argument schwach, denn hätte das Musnad dem Zweig der HiJazi-Schrift angehört, dann hätte es sicher spezifische Formen der Reimbuchstaben gegeben sowie weitere Wörter, die im Grunde aneinander angrenzen. Das Fehlen spezifischer Formen für diese Buchstaben in der HiJazi-Schrift beweist, dass die aramäische Schrift, der die spezifischen Reimbuchstaben fehlen, eine der Wurzeln der HiJazi-Schrift ist. Das Vorhandensein der Laute dieser Reimbuchstaben, die in der

26

Natur der Sprache der Araber verwurzelt sind, veranlasste diese jedoch, diese Reimbuchstaben mit den diakritischen Zeichen zu entwickeln und einzuführen, um diese Laute auszudrücken.

Diese Theorie wird von dem Autor des Buches „Hayat al-luga al-Arabiyya" (S. 88) unterstützt, der sagt: „Diejenigen, die Zeichen für die Reimbuchstaben ersannen, suchten unweigerlich die folgenden Buchstaben aus und setzten Punkte darauf: ba (hHf), Jim (Ld*), dal (GH&), sad (&Hw), xa (hH$) und 7ayn (Kdu), um sie unterscheidbar zu machen." Der andere Beweis dafür, dass die aramäische Schrift mit der arabischen verwandt ist, ist der, dass al-Hafic Pams ad-Din ad-Dahabi21 in seinem Werk „Tadkirat al-Huffac" im Zusammenhang mit der Überlieferung von VariJah ibn Zayd22 schreibt, dessen eigener Vater Zayd ibn Tabit habe ihm mitgeteilt, dass er auf Anweisung des Propheten Gottes (s.a.s.) innerhalb von fünzehn Tagen die Schrift der Juden erlernt und gemeistert hatte. Dieses Erlernen der Schrift durch Zayd in einem Zeitraum von zwei Wochen weist auf die Tatsache hin, dass es sich bei dem, was er gelernt hatte, um die Estrangelo-Schrift handelte, von der die aramäische Schrift abgeleitet ist, die eine der beiden syrischen Schriften ist und von den Juden benutzt wurde. Aus demselben Grund ist in dem Bericht von Zayd ibn Tabit davon die Rede, dass er syrisch konnte, und aus der syrischen Schrift wurden die Kufi-Buchstaben entwickelt.

Abgesehen davon hat die Kufi-Schrift größte Ähnlichkeit mit der Hiri-Schrift, die wiederum der nabatäischen Schrift ähnelt, während die nabatäi-sche Schrift der aramäischen ähnelt und diese wiederum der phönizischen, die Ähnlichkeiten mit dem Demotischen aufweist, das in Ägypten gebräuchlich war; und dies beweist die Verbindungen zwischen diesen Schriftarten in der oben erwähnten Reihenfolge.

21  Ad-Dahabi, Muhammad ibn 7Utman ibn Qayimaz Abu Abdillah Pams ad-Din ad-Dahabi, at-Turkumani, al-Fariqi, Imam und hafic (des Qur'an), wurde 673/1274 in Damaskus geboren. Seit seiner Kindheit war er daran interessiert, ahadit zu sammeln, und wurde ein Haditexperte seiner Zeit. Er verfaßte eine Anzahl von Büchern, darunter Tadkirat al-huffaz. Er starb 748/1347.

22  VariJah ibn Zayd ibn Tabit al-Ansari ist einer der fuqaha' und hervorragenden Gelehrten, aber er überlieferte nur wenige ahadit. Deswegen erwähnt ad-Dahabi ihn nicht unter den huffac. Er starb 99/717 in Medina.

27

2.3 Die in Medina gebräuchliche Schrift

Was die Schrift betrifft, die in al-Madinah (Jatrib) benutzt wurde, als der Prophet (s.a.s.) dort ankam, so handelte es sich nach den Berichten der Hadi-tüberlieferer und den Biographen des Propheten (s.a.s.) um die Schrift, die die Juden ihre Kinder lehrten. Es gab ungefähr zwanzig Einzelpersonen, die schreiben konnten, darunter Sa7id ibn Zurarah, al-Mundir ibn Amr, Ubayy ibn Wahb, Zayd ibn Tabit, Rafi7 ibn Malik und Aws ibn Vuli. Sie kannten offensichtlich die HiJazi-Schrift, die von der Schrift der Leute von al-Hirah hergeleitet war.

Diese Ansicht stimmt auch damit überein, dass Zayd auf Anweisung des Propheten (s.a.s.) die Schrift der Juden erlernte, nachdem er in al-Madina eingetroffen war.

Der erste, der die Kunst des Schreibens in Umlauf brachte, war Prophet Muhammad (s.a.s.), der sie nach seiner Auswanderung nach Medina populär werden ließ. Die meisten der ungefähr siebzig Personen, die den Qureisch und anderen Stämmen angehörten und im Kampf von Badr gefangen genommen wurden, konnten schreiben. Was diejenigen betraf, die Analphabeten waren und nicht schreiben konnten, so wurde ihre Auslösesumme vom Propheten (s.a.s.) in bar eingefordert, was jedoch die Auslösesumme derjenigen betraf, die Lesen und Schreiben konnten, so verpflichtete er sie dazu, zehn Kinder von Medina Lesen und Schreiben zu lehren. Dies taten sie, und seitdem verbreitete sich das Lesen und Schreiben allmählich in Medina und anderen von den Muslimen eingenommenen Städten, und das Analphabetentum blieb allein auf die Wüstengebiete beschränkt.

Die HiJazi-Schrift war von zweierlei Art: Die Nasvi-Schrift, die zum Schreiben von Briefen verwendet wurde, und die Kufi-Schrift, die mit Kufa verbunden war. Da die Regeln der HiJazi-Schrift und die Formen ihrer Buchstaben in Kufa weiterentwickelt und verfeinert wurden, blieb diese Schrift mit Kufa verbunden.

Gelehrten und Forschern ist es gelungen, die Originalbriefe aufzufinden, die der Prophet (s.a.s.) schrieb und an al-Muqawqas und al-Mundir ibn Sawi sandte. Sie haben diese fotografiert und abgedruckt. Der Originalbrief an al-Muqawqas wird im Museum für Hinterlassenschaften des Propheten (s.a.s.) in Istanbul aufbewahrt.

Ein französischer Gelehrter entdeckte diesen Brief in einem ägyptischen

28

Kloster in der Nähe von Avmim. Als Sultan Abdul-MaJid al-7Utmani23 davon erfuhr, lud er den Gelehrten ein, mit diesem unschätzbar wertvollen Brief zu ihm zu kommen. Er zeigte ihn Experten und Gelehrten, die bestätigten, dass es sich bei dem oben erwähnten Brief um genau denselben handelte, den der Prophet (s.a.s.) an al-Muqawqas geschickt hatte. Sultan Abdul-MaJid kaufte diesen Brief für einen sehr hohen Preis. Der andere Brief wird in der Bibliothek von Wien aufbewahrt.

23 Sulxan Abd al-MaJid (gest. 1278/1861) war der Vater von Sulxan Abd al-Aziz (gest. 1293/1876) und Sulxan Abd al-Hamid (gest. 1304/1887).

29

30

3. Der Beginn von Wahy (göttlicher Offenbarung)

Wahy (die göttliche Offenbarung) begann in der Laytat-ul-Qadr (Nacht der Macht), die dem Text des Qur'an zufolge im Monat Ramadan im einundvierzigsten Jahr nach der Geburt des Propheten (s.a.s.) eintraf: „ Wahrlich, wir sandten ihn in der Nacht der Bestimmung herab... " (Sure 97, Vers 1). „Wahrlich, wir offenbarten es in einer gesegneten Nacht - wahrlich, wir haben immer gewarnt - in der jegliche weise Sache gemäß unserem Befehl bis ins Einzelne erklärt wird. Wahrlich, wir haben immer Gesandte geschickt. " (Sure 44, Verse 3-5).

„Der Monat Ramadan ist der, in dem der Qur'an herabgesandt wurde; eine Weisung für die Menschheit, deutliche Beweise der Führung und göttliche (Zeichen)... " (Sure 2, Vers 185).

Der Monat Ramadan ist der Monat, in dem sich der Prophet (s.a.s.) in die Höhle von Hira'24 zurückzog und in der Einsamkeit fastete und Gottesdienst hielt.

Es gibt viele Meinungsverschiedenenheiten hinsichtlich der Nacht, in der die Offenbarung begann. Ein Qur'anvers besagt: „...wenn ihr an Allah glaubt und an das, was wir zu unserem Diener am Tag der Unterscheidung herabgesandt haben, am Tag, da sich die beiden Heere begegneten... " (Sure 8, Vers 41).

Dieser Vers bezieht sich auf den 17. Ramadan als den Tag, an dem der Prophet (s.a.s.) zum ersten Mal eine Offenbarung erhielt, da die beiden Heere einander am 17. Ramadan im 2. Jahr der HiJra gegenüberstanden, und bei den beiden Heeren handelte es sich um das der Muslime und das der Götzendiener beim Kampf von Badr. Daher erwähnt der Vers zwei glückliche Anlässe: an diesem Tag erwählte Gott, der Allmächtige, Muhammad (s.a.s.) zu seinem Propheten und schenkte den Muslimen Ehre und Ruhm, indem er ihnen zum Sieg verhalf.

In seiner Exegese schreibt Abu ja7far ibn jarir ax-Xabari25 aufgrund einer Überlieferung von al-Imam al-Hasan ibn Ali (a.s.), dass es sich bei der

24Hira' ist ein Berg im Umkreis von drei Meilen von Mekka, wohin sich der Prophet (s.a.s.) zurückzog, um Gottesdienst zu halten, bevor er die Offenbarung erhielt.

25 Abu ja7far Muhammad ibn jarir ax-Xabari war ein großer Lehrer und Gelehrter der Geschichte und Haditwissenschaft seiner Zeit. Er wurde 224/839 in Amul in Mazandaran (Xabaristan) geboren und starb 3l0/922 in Bagdad. (Zu seinen Werken gehört eine Sammlung historischer Überlieferungen, die sich von der Schöpfung der Welt bis zu seiner Zeit erstrecken, und ein Qur'ankommentar.)

31

Nacht der Unterscheidung und dem Tag der Begegnung der beiden Heere um den 17. Ramadan handelte.

3.1 Der zuerst geoffenbarte Qur'anvers

Es stimmt, dass folgender Qur'anvers als erster offenbart wurde: „Lies im Namen deines Herrn, der erschuf." (Sure 96, Vers 1).

Muhammad ibn Ishaq, allgemein bekannt als Ibn Abi Ya7qub an-Nadim, schreibt in seinem Buch „Fawz al-7ulum", das als „Al-Fihrist" bekannt ist: „Abu al-Hasan Muhammad ibn Yusuf berichtete mir, dass er von Abu Abd Allah Muhammad ibn Galib gehört hatte, was dieser von Bakr ibn Abd al-Wahhab al-Madini erfahren hatte, dass er dies von Muhammad ibn 7Umar al-Waqidi26 gehört hatte, dass ihm die von Mu7ammar ibn ar-Rapid mitgeteilt wurde, der von az-Zuhri gehört hatte, der er von Muhammad ibn Nu7man ibn Bapir gehört hatte, der ihm berichtete, dass dies die ersten Verse waren, die dem Propheten (s.a.s.) offenbart wurden: ,Lies, im Namen deines Herren, der erschuf, erschuf den Menschen aus einem Klumpen Blut. Lies, denn dein Herr ist der Allgütige. Der (den Menschen) durch die Feder lehrte, den Menschen lehrte, was er nicht wusste.'" (Sure 96, Verse 1-5).

Die Payvan (al-Buvari und Muslim) überlieferten, dass der Prophet (s.a.s.) die Höhle von Hira' oft besuchte, sich einige Nächte lang dort aufhielt und sich etwas zu essen mitnahm. Danach kam er zurück und verbrachte einige Zeit mit VadiJa (a.s.), und dann nahm er sich etwas zu essen mit und ging wieder für einige Nächte fort an denselben Ort. So fuhr er fort, bis eines Tages in seinem Herzen plötzlich eine Flut des Lichts der Wahrheit aufleuchtete. Dann stieg ein Engel zu ihm herab. „Lies!" sagte der Engel. Der Prophet (s.a.s.) berichtete: „Ich sagte zu ihm: ,Ich kann nicht lesen.' Er ergriff mich und drückte mich so stark, dass ich meine ganze Kraft verlor. Dann ließ er mich wieder los und sagte: ,Lies!' Und ich erwiderte: ,Ich kann nicht lesen!' Da ergriff er mich ein zweites Mal und drückte mich sehr stark, dann ließ er mich wieder los und sagte: ,Lies!' Ich antwortete: ,Ich kann nicht lesen.' Da ergriff er mich ein drittes Mal und drückte mich sehr stark

26 Al-Waqidi Abu Abdillah Muhammad ibn 7Umar ibn Waqid war ein großer Haditgelehrter und Experte für Kriegsgeschichte (magazi). Er wurde von Harun ar-Rapid gefördert und zum Richter (qawi) in Bagdad ernannt. Er starb 202/822 in Bagdad.

32

und sprach: ,Lies, im Namen deines Herren. Der erschuf, erschuf den Menschen aus einem Klumpen Blut. Lies, denn dein Herr ist der Allgütige, der (den Menschen) durch die Feder lehrte, den Menschen lehrte, was er nicht wusste.'" (Sure 96, Verse 1-5). Dann kehrte der Prophet (s.a.s.), noch am ganzen Körper zitternd, von Hira zu VadiJa (a.s.) zurück.

In Fada'il al-Qur'an sagt Abu 7Ubaydah, ihm sei von 7 Abdurrahman mitgeteilt worden, der es von Sufyan hörte, der es von Abi NaJih gehört hatte, dass MuJahid ihm mitgeteilt habe, dass die ersten Verse des Qur'an, die dem Propheten (s.a.s.) offenbart wurden, folgende waren: „Lies, im Namen deines Herrn " (Sure 96, Vers 1) und „Nun. Bei der Feder. " (Sure 68, Vers

1).

Ibn Aptah berichtet in seinem Kitab al-MasahJif, dass 7Umayd ibn 7Umayr gesagt habe, dass Gabriel (a.s.) mit einer besonderen Art von Pergament zum Propheten (s.a.s.) herabstieg und ihn aufforderte zu lesen. Der Prophet (s.a.s.) sagte: „Ich kann nicht lesen." Jener sagte wiederum: „Lies, im Namen deines Herrn. " Man glaubt, dass dies die erste Sure war, die dem Propheten (s.a.s.) offenbart wurde.

Az-Zuhri berichtet auf der Grundlage der Überlieferungen auch, dass sich der Prophet (s.a.s.) in der Höhle von Hira' aufhielt, als der Engel Gottes mit einem feinen Pergament herabstieg, auf dem geschrieben stand: „Lies, im Namen deines Herren. Der erschuf, erschuf den Menschen aus einem Klumpen Blut. Lies, denn dein Herr ist der Allgütige, der (den Menschen) durch die Feder lehrte, den Menschen lehrte, was er nicht wusste. " (Sure 96, Verse 1-5).

Nach der Offenbarung dieser Verse des Qur'an wurden über einen Zeitraum von drei Jahren hinweg keine weiteren Verse offenbart. Diese Zeitspanne wurde als „zaman fatrat al-wahy" bekannt, d. h. als die Zeit, in der die Offenbarung unterblieb. Von da an wurde dem Propheten (s.a.s.) im Laufe der Zeit allmählich und Vers für Vers der Qur'an offenbart. Diese Art und Weise der Offenbarung von Versen wurde von den Ungläubigen kritisiert. Im Qur'an wird auf dieses Thema Bezug genommen, und dieser Einwand wird in Surat al-Furqan mit folgenden Worten zurückgewiesen: „ Und jene, die ungläubig sind, sagen: , Warum ist ihm der Qur'an nicht auf einmal herabgesandt worden?! Dies, damit wir dein Herz dadurch stärken möchten, und wir haben Seine Anordnung recht gut gemacht.'" (Sure 25, Vers 32).

Diese Anordnung und Reihenfolge der Offenbarung und die immer wiederkehrenden Strahlen des wahy im Herzen des Propheten (s.a.s.) mit dem glanzvollen Licht des Wissens wurde zu einer Quelle von Kraft und Frieden

33

für ihn. Es besteht kein Widerspruch zwischen der allmählichen Offenbarung des Qur'an und den Versen, die scheinbar etwas anderes aussagen, wie die folgenden: „Wir haben ihn in der Nacht der Bestimmung offenbart. " (Sure 97, Vers 1). „Der Monat Ramadan ist der, in dem der Qur'an herabgesandt wurde..." (Sure 2, Vers 185). „Wahrlich, wir offenbarten ihn in einer gesegneten Nacht. " (Sure 44, Vers 3).

Es gibt nämlich bestimmte Verse im Qur'an, die nach den Worten Gottes, des Allmächtigen, als der Qur'an bezeichnet werden, wie der folgende: „Ein Buch, dessen Verse unveränderlich gefügt, dann im Einzelnen erklärt worden sind. " (Sure 11, Vers 1).

(Wir können diesen Punkt verstehen), wenn wir berücksichtigen, dass es im Qur'an auch Verse mit mehrdeutigem Sinn gibt. Zusätzlich hierzu kann man auch sagen, dass das Wesen und die allgemeinen Zielvorstellungen des Qur'an als Ganzes dem reinen Herzen des Propheten (s.a.s.) in jener einzigen Nacht offenbart wurden: „Der Geist (der Engel Gabriel), der die Treue hütet, ist mit ihm (dem Qur'an) hinabgestiegen... " (Sure 26, Vers 193 und 194).

Später wurden ihm die Verse einzeln offenbart, getrennt über eine Zeitspanne von mehreren Jahren: „Und den Qur'an haben wir in Abschnitten offenbart, damit du ihn den Menschen stückweise vortragen möchtest. Und wir sandten ihn nach und nach hinab. " (Sure 17, Vers 106).

Aus der Haditforschung kann hergeleitet werden, dass der größte Teil des Qur'an Vers für Vers offenbart wurde, wie Surat Iqra', deren Anfangsverse bis „ ...was er nicht wusste " beim erstenmal offenbart wurden.

Ähnlich verhält es sich mit Surat ad-Duha, deren Anfangverse bis fatarda (und du wirst wohl zufrieden sein) beim erstenmal offenbart wurden. Andererseits wurden einige Suren des Qur'an in ihrer vollständigen Form auf einmal offenbart, wie al-Fatihah, al-Ivlas, al-Kawtar, al-Lahab, al-Bayyinah und an-Nasr27 unter den kürzeren und al-Mursa1at28 unter den längeren Suren.

27 Dieser Bericht hinsichtlich an-Nasr wurde von jalal ad-Din as-Sayuti in at-Itqan fi 7ulum al-Qur' an wiedergegeben.

28  Von Ibn Mas7ud wird in al-Mustadrak berichtet: „Wir waren mit dem Propheten (s.a.s.) in der Höhle, als Surat al-Mursalat offenbart wurde, und wir hörten sie durch die geheiligte Zunge des Propheten (s.a.s.). Obwohl sie vom Propheten (s.a.s.) ausgesprochen wurde, konnten wir nicht feststellen, bei welchen Versen sie endete, ob sie mit dem Vers, ,An welches Wort, nach diesem wollen sie denn glauben?' endete oder mit dem Vers, ,Und wenn zu ihnen gesprochen wird: ,Beugt euch!' beugen sie sich nicht.'"

34

Diese Herleitung beruht auch auf der Offenbarung von fünf oder zehn Versen zusammen, wie die Offenbarung der zehn Anfangsverse von Surat al-Mu'minun, und der Offenbarung des Einzelsatzes „gayri uli-w-warar (ausgenommen die Gebrechlichen)", der Teil des Verses „Diejenigen unter den Gläubigen, die stillsitzen... " (Sure 4, Vers 95) ist, für sich allein. Ähnliches ist in folgendem Vers der Fall: „...und wenn ihr Armut befürchtet, so wird euch Allah gewiss aus seiner Fülle reich machen, wenn er will. Wahrlich, Allah ist allwissend, allweise. " (Sure 9, Vers 28). Der oben erwähnte Vers ist nur ein Teil des Verses 28 von Sure Bara'ah (at-Tawba), und er wurde getrennt für sich allein offenbart, nachdem ein anderer Teil bereits offenbart war.

3.2 Der Offenbarungszeitraum des Qur'an

Der Zeitraum, in dem der Qur'an offenbart wurde, wird in zwei Zeitabschnitte eingeteilt, nämlich erstens die Zeit vor der Auswanderung des Propheten (s.a.s.) und zweitens die Zeit danach.

1. Die Zeit vor der Auswanderung

Die Verse und Suren, die während des Zeitraums von zwölf Jahren, fünf Monaten und dreizehn Tagen des Aufenthalts in Mekka - vom 17. Ramadan des 41. Jahres nach der Geburt des Propheten (s.a.s.), der als „Tag der Unterscheidung" (al-Furqan) bezeichnet wird, bis zum Monat Rabi7 al-'Awwal des vierundfünfzigsten Jahres nach seiner Geburt - innerhalb der Grenzen Mekkas vor der Auswanderung (HiJra) des Propheten (s.a.s.) offenbart wurden, werden als mekkanische Suren und Verse bezeichnet.

2. Die Zeit nach der HiJra des Propheten (s.a.s.) nach al-Madina

Dieser Zeitraum umfasst alle Verse, die nach der HiJra offenbart wurden. Auch wenn in diesem Zeitraum einige Verse außerhalb von al-Madina offenbart wurden, dann werden sie doch als Madani-Suren und -Verse29 betrachtet. Darum beträgt der in Mekka offenbarte Anteil des Qur'an ungefähr 11/30 des Buches.

29 Dies wird allgemein geglaubt, aber es gibt diesbezüglich zwei weitere Ansichten: die erste besagt, dass alles, was in Mekka offenbart wurde, mekkanisch, und alles, was in Medina offenbart wurde, medinensisch ist; die zweite besagt, dass diejenigen Verse, die sich an die Leute von Mekka richten, als mekkanisch anzusehen sind, während das, was an die Leute von Medina gerichtet ist, als medinensisch zu akzeptieren ist.

35

Abu al-Hasan ibn Hisar schreibt in seinem Buch „An-Nasiv wa al-Mansuv", dass die Anzahl der Suren, bezüglich derer ein Konsens besteht, dass sie in Medina offenbart worden sind, zwanzig beträgt.

Die Suren, bei denen (hinsichtlich ihres Offenbarungsortes) Meinungsverschiedenheiten bestehen, sind zwölf an der Zahl. Abgesehen davon werden alle anderen Verse und Suren von den Muslimen einstimmig als mekkanisch bezeichnet. Die zwanzig medinensischen Suren sind folgende:

1. Al-Baqara; 2. Al-7Imran; 3. An-Nisa'; 4. Al-Ma'ida; 5. Al-Anfal; 6. At-Tawba (Bara'a); 7. An-Nur; 8. Al-Ahzab; 9. Muhammad; 10. Al-Fath; 11. Al-HuJurat; 12. Al-Hadid; 13. Al-MuJadala; 14. Al-Hapr; 15. Al-Mumtahana; 16. Al-jumu7a; 17. Al-Munafiqun; 18. Ax-Xalaq; 19. At-Tahrim; 20. An-Nasr.

Abu Bakr ibn al-Anbari ist mit allen diesen einverstanden mit Ausnahme von al-Anfal30, und Abu 7Ubaydah31 stimmt in seinem Buch „Fawa'il al-Qur'an" all diesem zu mit Ausnahme von al-HuJurat, al-jumu7a und al-Munafiqun. Auch der Autor von al-Fihrist, Muhammad ibn Ishaq, stimmt nach dem Bericht von Muhammad ibn Nu7man ibn Bapir, dessen Name in dem Abschnitt über den zuerst offenbarten Qur'anvers erwähnt wurde, allen Suren zu außer Sure al-Ahzab. Somit stimmen diese vier Personen, deren Ansicht als authentisch und zuverlässig angesehen wird, einstimmig in Bezug auf fünfzehn der Suren überein, die Abu al-Hasan in seinem Buch „ An-Nasiv wa al-Mansuv" aufgeführt hat.

Unstimmigkeiten gibt es bei fünf Suren in dieser Reihenfolge: al-Anfal, die von Abu Bakr ibn al-Anbari nicht als medinensische Sure angesehen wird; al-HuJurat, al-jumu7a und al-Munafiqun, hinsichtlich derer Abu 7Ubaydah in Fawa'il al-Qur'an eine abweichende Meinung ausdrückt; und al-Ahzab, die Muhammad ibn Ishaq, der Autor von al-Fihrist, nicht als medi-nensisch betrachtet.

30  Abu Bakr ibn Muhammad ibn al-Qasim ibn Muhammad ibn Bapar al-Anbari (gest. 328/940) war ein Experte des Qur'an, seiner Exegese und der Haditwissen-schaft.

31  Allgemein wird angenommen, dass es sich bei dem Autor des Buches Fawa'il al-Qur'an um Abu Ubaydah al-Qasim ibn Salam (gest. 334/945) handelt, der in Mekka starb. Ibn al-Nadim schrieb ihm dieses Buch in al-Fihrist im Kapitel über die in Fawa'il al-Qur'an (Vorzüge des Qur'an) zusammengestellten Bücher zu.

36

3.3 Qur'anrezitation in der Zeit des Propheten (s.a.s.)

Der heilige Prophet (s.a.s.) war ummi, d. h. ungelehrt in dem Sinne, dass er weder lesen noch schreiben konnte.32 Der Qur'an wirft in den Versen 157 der Sure 7 und 48 der Sure 29 Licht auf diese Angelegenheit. Nachdem eine Sure oder ein Vers offenbart worden war, teilte der Prophet (s.a.s.) sie, nachdem er sie sich selbst eingeprägt hatte, den Leuten mit und trug sie den Würdigen unter denen vor, die seine Gesellschaft genossen. Er forderte sie auch auf, sie sich ins Gedächtnis einzuprägen.

Berichte, die durch zuverlässige Ketten von Gewährsleuten überliefert und in Sammlungen der Traditionarier niedergelegt sind, auf deren Werke sich die Muslime verlassen, bestätigen dies. Al-Buvari überliefert in as-Sahih von 7Urwah ibn az-Zubayr, dass al-Musawwar ibn Mavzamah und Abd ar-Rahman ibn Abd al-Qari ihm mitgeteilt haben, dass 7Umar bin al-Vaxxab sagte, er habe zu Lebzeiten des Propheten (s.a.s.) Hipam ibn al-Hakim die Sure al-Furqan rezitieren hören. Während er Hipams Rezitation zuhörte, bemerkte 7Umar, dass er auf eine Art und Weise las, wie er sie nie vom Propheten (s.a.s.) gehört hatte. Zunächst wollte 7Umar sich auf Hipam stürzen, der gerade betete. Dann beschloß er jedoch, zu warten, bis er fertig war. Dann packte er Hipam beim Kragen und fragte ihn, wer ihn gelehrt habe, die Sure zu rezitieren, die er ihn hatte rezitieren hören. Hipam teilte ihm mit, der Prophet (s.a.s.) habe sie ihn gelehrt. 7Umar entgegnete ihm, er lüge, denn die Art und Weise zu rezitieren, die der Prophet (s.a.s.) ihn gelehrt habe, sei anders als die Art und Weise, nach der Hipam rezitiere. Dann brachte er ihn zum Propheten (s.a.s.) und klagte, er habe Hipam die Sure al-Furqan auf eine Art und Weise rezitieren hören, wie er sie den Propheten (s.a.s.) niemals habe rezitieren hören. Der Prophet (s.a.s.) forderte 7Umar zuerst auf, Hipams Kragen loszulassen, und bat dann Hipam, sie zu rezitieren. Da rezitierte Hipam sie so, wie 7Umar ihn gehört hatte. Darauf sagte der Prophet (s.a.s.): „Dies ist die Art und Weise, wie sie offenbart wurde." Danach bat der Prophet (s.a.s.) 7Umar, sie zu rezitieren. 7Umar rezitierte sie so, wie er den Propheten (s.a.s.) hatte rezitieren hören. Als er dies hörte, sagte der Prophet (s.a.s.) wiederum: „Dies ist die Art und Weise, wie sie offenbart wurde." Dann fügte er hinzu: „Dieser Qur'an wurde in sieben Lesarten (sab 7at ahruf) offenbart. Lest ihn darum so, wie es für euch durchführbar ist."

32 Die Frage, ob der Prophet (s.a.s.) lesen und schrieben konnte, ist kontrovers. (Der Herausgeber).

37

Wiederum überliefert al-Buvari von Paqiq ibn Salamah, dass dieser berichtete: Abdullah ibn Mas7ud sagte in einer Ansprache: „Bei Gott, die Prophetengefährten wissen, dass ich unter ihnen in Bezug auf Gottes Buch der Versierteste bin, obwohl ich nicht der beste von ihnen bin."

Payv ax Xa'ifah Muhammad ibn al-Hasan ax-Xusi (386/460-995-1067), der imamitische Faqih, stellt in seinem Buch al-Amali fest, dass Ibn Mas7ud 70 Suren vom Propheten (s.a.s.) und die übrigen von Ali ibn Abi Xalib (a.s.) gelernt hatte. In al-Mustadrak wird von Ibn Mas7ud berichtet, dass er überlieferte: „Wir waren mit dem Propheten (s.a.s.) in einer Höhle, als ihm al-Mursalat offenbart wurde. Ich lernte die Sure aus seinem Mund..."

Abu 7Ubaydah ibn al-Fada'il und auch Ibn jarir, Ibn Mundir und Ibn Mardawayh berichten von 7Umar ibn Amir al-Ansari, dass 7Umar ibn al-Vaxxab den Vers 100 in Sure 9 folgendermaßen rezitierte: „Die Vordersten, die ersten der Auswanderer, und die Helfer, die ihnen auf die beste Art gefolgt sind...", mit al-ansar (die Helfer) im Nominativ und ohne waw (und) vor alladina (die). Zayd ibn Tabit sagte (als Versuch, ihn zu korrigieren): „...und die, die ihnen auf die beste Art gefolgt sind", (wodurch die Helfer den ersten Auswanderern und den Vordersten gleichgestellt werden), und fügte hinzu: „(Und doch) weiß der Amir al-Mu'minin es besser." 7Umar ließ Ubayy ibn Ka7b zu sich bringen. Als er gekommen war, fragte 7Umar ihn nach dem Vers, den Ubayy wie Zayd ibn Tabit rezitierte und dann hinzufügte: „Bei Gott, der Prophet (s.a.s.) lehrte mich, ihn so zu rezitieren, und zwar in einer Zeit, als du noch Wissen verkauftest." 7Umar war überzeugt und sagte: „Folge in diesem Fall Ubayys Lesart."

In al-Buvaris Sahih wird berichtet, dass der Prophet (s.a.s.) zu Ubayy ibn Ka7b sagte. „Gott hat mir befohlen, dir den Qur'an vorzutragen." Ubayy fragte den Propheten (s.a.s.), ob Gott ihn namentlich genannt habe. Der Prophet (s.a.s.) antwortete: „Ja, dein Name wurde vor dem Herrn der Welten erwähnt." Alle diese Überlieferungen machen deutlich, dass der Prophet (s.a.s.) gewöhnlich den Qur'an vor den Gelehrten vortrug und in Bezug darauf, dass sie ihn sich einprägten, so sorgfältig vorging, dass er Ubayy sagte, Gott habe ihm befohlen, ihm den Qur'an vorzutragen. Diese Überlieferungen weisen auch darauf hin, dass sich die Gefährten den Text gewissenhaft einprägten, so dass die Hinzufügung oder Auslassung eines waw ein ernsthaftes Anliegen für sie war, obwohl es die Bedeutung nicht sehr veränderte.33

33 Obgleich die Bedeutungsverschiebung uns nicht bedeutsam erscheint, war sie es jedoch für die Ansar von Medina. (Der Herausgeber).

38

3.4 Erläuterung

Mit al-huruf as-sab 7ah sind die sieben Lesarten des Qur'an gemeint, bei denen verschiedene Wörter mit derselben Bedeutung verwendet wurden, wie aqbil, halumna und ta3ala (komm!) oder aJJil und asr' (Beeile dich!), oder avvir und amhil (zögere!) oder imwi und isri (geh!). Diese Interpretation wurde von Muhammad ibn Varir ax-Xabari im Vorwort zu seinem Qur'an-kommentar34 vertreten.

Diese Aussage kommt auch durch zuverlässige Überlieferungen von 7Umar ibn al-Vaxxab, Abdullah ibn Mas7ud35 und Ubayy ibn Ka7b zum Ausdruck, aus denen hervorgeht, dass sich ihre Meinungsverschiedenheiten lediglich auf die Lesart des Qur'an bezogen, nicht auf die Bedeutung. Einmal wandten sie sich zur Schlichtung an den Propheten (s.a.s.), und der Prophet (s.a.s.) forderte jeden von ihnen auf, zu lesen; er hörte sich ihre Rezitation an und bestätigte ihre unterschiedlichen Lesarten. Einige von ihnen fragten sich, wie der Prophet (s.a.s.) ihre unterschiedlichen Lesarten bestätigen konnte, bis der Prophet (s.a.s.) selbst ihre Zweifel mit den Worten beantwortete: „Allah hat mir geboten, den Qur'an nach sieben Lesarten zu lesen."36

Die Antwort des Propheten (s.a.s.) offenbart die Tatsache, dass die sieben Lesarten dieselbe Bedeutung wiedergeben. Ax-Xabari wiederum berichtet im Vorwort zu seinem Kommentar von Abu Karib durch eine Kette von Gewährsleuten von Abd ar-Rahman ibn Abi Bakr von dessen Vater, dass der Prophet (s.a.s.) sagte, dass Gabriel ihn aufgefordert habe, den Qur'an nach einer Lesart zu lesen. Dann forderte Michael ihn auf, ihn nach mehr als einer

34 Al-Xabari, Tafsir al-Qur'an, Bd. 1.

35  3Abdullah Ibn Mas 3ud ibn 5afil ibn Habib al-Hudayli (gest. 26 oder 32/646 oder 652), ein Gefährte des Propheten (s.a.s.), der 848 Erzählungen vom Propheten (s.a.s.) überliefert haben soll.

36Anmerkung des Herausgebers: Nach Ibn al-Atir und al-Payv al-Saduq in al-Visal wurden von muslimischen Gelehrten etwa fünfunddreißig verschiedene Ansichten über die Bedeutung in der dem Propheten (s.a.s.) zugeschrieben Überlieferung erwähnten sab 3at ahruf geäußert. Eine gut belege (sahih) Überlieferung aus Usul al-Kafi (3Ilmiyyah Islamiyyah, Tehran, Bd. 4, S. 439) weist die Rückführung auf den Propheten (s.a.s.) zurück. Das Hadit lautet folgendermaßen: 3Ali ibn Ibrahim überlieferte von seinem Vater (Ibrahim ibn Hapim) von Ibn Abi 3Umar von 3Umar ibn Udaynah von al-Fuwayl ibn Yasar, der berichtete: „Ich sagte zu Abu 3Abdullah (a.s.): ,Die Leute sagen, der Qur'an sei in sieben Lesarten (sab3at ahruf) offenbart worden.' Er erwiderte: ,Die Feinde Gottes haben gelogen. Er wurde in einer Lesart (harf wahid) von dem Einen (al-Wahid, d. h. Gott) offenbart.'"

39

Lesart zu lesen, das heißt zwei, bis die Anzahl schließlich sechs oder sieben betrug. Dann teilte Michael ihm mit, dass diese alle gut genug seien, solange nicht ein Vers, der Gottes Strafe betraf, Gottes Barmherzigkeit verkündete, und ein Vers, der Gottes Barmherzigkeit betraf, Strafe androhte, so wie die Worte „halumna" und „ta3ala" (komm!).

Die obige Interpretation wird auch durch das gestützt, was die Rechtsgelehrten aus der Bedeutung dieser Überlieferung verstanden haben. Ibn Abd al-Birr37 sagt, dass Ibn Wahb38 in Kitab at-Targib berichtete, dass Malik einmal gefragt wurde, ob er es für richtig hielte, wenn sie den Vers wie 7Umar ibn al-Vaxxab läsen, nämlich: „Beeilt euch (famwu) zum Gedenken Allahs)" statt „Eilt (fas7au) zum Gedenken Allahs" (Sure 62, Vers 9). Er antwortete, es sei zulässig, und fügte hinzu, dass der Prophet (s.a.s.) sagte: „Dieser Qur'an wurde in sieben Lesarten offenbart. Lest ihn darum so, wie es für euch durchführbar ist."

Diese Interpretation wird von der Vernunft keineswegs zurückgewiesen. Wenn es nämlich Bedeutungsunterschiede in den sieben Lesarten gäbe, dann ergäbe eine einzige Aussage zwei verschiedene und gegensätzliche Bedeutungen. Wie hätte daher der Prophet (s.a.s.) etwas erlauben können, das der von Gott intendierten Bedeutung zuwiderlief? Und doch weisen verschiedene Überlieferungen darauf hin, dass der Prophet (s.a.s.) unterschiedlichen Lesarten zugestimmt hatte. Es ist offensichtlich, dass kein Vers des Qur'an auf zwei gegensätzliche Arten interpretiert werden soll, damit nicht etwa Unzulässiges als zulässig und Zulässiges als unzulässig erscheint, denn Allah hat gesprochen: „Wenn er (der Qur'an) von einem anderen wäre als von Allah, dann hätten sie viele Widersprüche darin finden können." (Sure 4, Vers 82).

In einer weiteren Überlieferung berichtet al-A7map von Anas, dass dieser Sure 73, Vers 6 folgendermaßen las: „Wahrlich, die Nachtwache ist die beste Zeit zur Selbstzucht und zur Erreichung von Aufrichtigkeit (aswab) im Wort." Jemand sagte ihm, es heiße aqwam. Er erwiderte: „Ahda, aswab und aqwam haben alle drei dieselbe Bedeutung." Es ist möglich, dass er etwas

3Abu 3Amr jamal ad-Din Yusuf ibn 3Umar an-Nimri (368-462/978-1069), bekannt als Ibn 3Abd al-Birr, der Autor von al-Istidrak und al-Isti 3ab. 38Abu Muhammad 3Abdullah ibn Wahb ibn Muslim al-Quraypi (125-198/742-813), ein malikitischer Faqih und Autor von al-Muwaxxa'.

40

meinte, was Muhammad Abd al-Karim ap-Pahristani39 in seinem Kommentar bestätigte, indem er sagte, die Worte des Propheten (s.a.s.): „Der Qur'an wurde in sieben Lesarten offenbart", implizierten die Variationen, die die sieben Lesarten des Qur'an aufgrund von imla' (Aussprache des fathah als kasrah), ipmam (Aussprache eines nicht vorhandenen Vokals als ein leichtes wammah oder kasrah), aber nicht so sehr, dass die Silbe verlängert wird oder eine zusätzliche Silbe entsteht) und idgam (Vermischung eines Buchstabens mit einem anderen, Verdoppelung durch tapdid, Verschmelzung) unterschieden.

Immer wenn die Gefährten des Propheten (s.a.s.) einen Vers oder eine Sure von ihm empfingen, kamen sie immer wieder zu ihm und rezitierten ihn in seiner Gegenwart, so dass sie sich diesen korrekt ins Gedächtnis einprägten. Nachdem sie ihn ihm vorgetragen hatten, fragten sie ihn, ob sie ihn genau so gelernt hatten, wie er ihm offenbart worden war. Der Prophet (s.a.s.) bestätigte dann ihre Lesung.

Ad-Dahabi40 schreibt in seinem Tadkirat al-huffac, dass VariJah ibn Zayd von seinem Vater berichtete, der sagte, dass er bereits siebzehn Suren lesen konnte, als der Prophet (s.a.s.) nach Medina kam, und dass er sie ihm vorlas. Dem Propheten (s.a.s.) gefiel seine Lesung. Dann sagte er zu ihm: „Lerne die Schrift der Juden für mich, denn ich kann mich auf sie als meine Schreiber nicht verlassen." Zayd berichtet, dass er sie in einem halben Monat erlernte.41

Nachdem er den Qur'an auswendig gelernt und fest in seinem Gedächtnis verankert hatte, vermittelte jeder hafic (jemand, der den Qur'an im Gedächtnis bewahrt) das, was er gelernt hatte, indem er es die Kinder und seine Söhne lehrte sowie die Leute von Mekka und Medina, die zur Zeit der Offenbarung nicht anwesend waren. Aus diesem Grund wurde innerhalb von einem oder zwei Tagen nach jeder Offenbarung der jeweilige Teil des Qur'an niedergelegt und im Herz und Gedächtnis der meisten Sahabah bewahrt. Die

39Abul-Fath Muhammad ibn Abi al-Qasim 3Abd al-Karim ibn Ahmad al-Pahristani (467-548/1074-1154), ein mutakallim und faqih, er ist der Autor eines Tafsir namens Mafatih al-asrar wa masabih al-abrar. Eine Handschrift davon befindet sich in der MaJlis-Bibliothek, Tehran.

40  Pams ad-Din Muhammad ibn Ahmad ibn 3Utman (gest. 748/1348), der Autor von Siyar an-nubala' wa xabaqat al-Huffac, Duwal al-Islam, Al-Muptabah fi al-asma' wa al-ansab wa al-kuna wa al-alqab, Ta'riv al-Islam al-kabir, Mizan al-i 3tidal fi naqd ar-riJal und Tadkirat al-huffac.0.

41 Ad-Dahabi: Tadkirat al-huffac.

41

huffac und qurra' (Vorleser des Qur'an) trugen in Gegenwart des Propheten (s.a.s.) vor, was immer sie vom Qur'an im Gedächtnis hatten, und manchmal rezitierten sie auf sein Gebot hin einen Teil davon.

Von Ibn Mas7ud wird überliefert, dass er berichtet, dass der Prophet (s.a.s.) ihn einmal bat, ihm den Qur'an vorzutragen. Er berichtete, dass er anfing, die Sure an-Nisa' zu lesen, und zu dem Vers gelangte: „ Wie aber wird es sein, wenn wir aus jedem Volk einen Zeugen herbeibringen und dich (Muhammad) als Zeugen bringen wider diese? " (Sure 4, Vers 41).

Ibn Mas7ud berichtet weiter, dass aus den Augen des Propheten (s.a.s.) Tränen flossen, (als er dies vortrug), und er sagte ihm, es sei für ihn diesmal genug. Al-Amidi42 schreibt in seinem Buch al-Afkar al-abkar, dass die bekannten Abschriften (masahif) des Qur'an zur Zeit der Prophetengefährten vor dem Propheten (s.a.s.) vorgelesen wurden. Der Kodex von 7Utman ibn Affan war der letzte, der dem Propheten (s.a.s.) vorgelesen wurde,43 und bis zu seinem Tode rezitierte er seine Gebete diesem entsprechend.

Ibn Aptah - in al-Masahif - und Ibn Abi Payban - in al-Fawa'il - überliefern von Ibn Sirin,44 der berichtet, dass 7Ubaydah as-Salmani gesagt habe, die qira'ah (Rezitation des Qur'an) vor dem Propheten (s.a.s.) in dessen Todesjahr sei dieselbe gewesen wie die seiner Zeitgenossen.

Al-Bagawi45 schreibt in Parh as-Sunnah, dass Zayd ibn Tabit zur Zeit der letzten Qur'anlesung anwesend war, als die aufgehobenen und nicht aufgehobenen Verse bezeichnet wurden. Er schrieb ihn für den Propheten (s.a.s.) und las ihn ihm vor, und er lehrte die Leute das Lesen bis zum Zeitpunkt seines Todes. Aus diesem Grund verließen sich Abu Bakr und 7Umar auf Zayd ibn Tabit bei der Sammlung des Qur'an, und später übertrug 7Utman ihm die Aufgabe, während seiner Regierungszeit Abschriften (masahif) anzufertigen.

42  Sayf ad-Din Abu al-Hasan 3Ali ibn Abi 3Ali Muhammad ibn Salim al-Taglibi al-Amidi (gest. 617/120), ein Faqih, Usuli und Mutakallim. Er wurde in Amid, Diyar Bakr, geboren, lehrte in Kairo und floh nach Damaskus, wo er starb. Zuerst war er Hanbalit, dann Pafi 3it; seine Werke umfassen Daqa'iq al-haqa'iq, Rumuz al-kunuz, Lubb al-Lubab, Abkar al-afkar (eine Zurückweisung der Mu 3tazilah), und al-Ihkam fi usul al-,ahkam.

43 Al-Amidi: Abkar al-afkar.

44 Abu Bakr Muhammad ibn Sirin (32-110/652-728), ein Faqih und Rawi von Basra.

45  Abu Muhammad al-Husayn ibn Mas7ud ibn Muhammad ibn al-Farra' al-Bagawi ap- Pafi 7i (gest. 516/1122), Faqih, Traditionarier und Exeget, Autor von Ma7alim at-tanzil und Musabih as-Sunna.

42

Der Prophet (s.a.s.) schickte (als er noch in Mekka war), eine Gruppe von Qur'anlesern nach Medina, um die Leute den Qur'an zu lehren. Al-Buvari überliefert von Abu Ishaq, der berichtete, dass al-Bara' sagte: „Die ersten der Prophetengefährten, die zu uns (d. h. nach Medina) kamen, waren Mus7ab ibn Umayr und Ibn Umm Maktum, die kamen und uns die Rezitation des Qur'an lehrten. Nach ihnen kamen Ammar und Bilal. Als der Prophet (s.a.s.) Mekka eingenommen hatte, beauftragte er Mu7ad ibn jabal, dort den Qur'an zu lehren. Jeden, der von Mekka nach Medina auswanderte, schickte der Prophet (s.a.s.) zu einem der huffac des Qur'an, damit dieser ihn den Qur'an lehrte." So nahm die Anzahl der huffac des Qur'an zu Lebzeiten des Propheten (s.a.s.) zu, und während dieser Zeit fielen ungefähr siebzig qaris im Kampf von Bi'r Ma7unah, wie as-Suyuxi in al-Itqan als vabar sahih (korrekte Überlieferung) überliefert. Es gibt viele Überlieferungen, die besagen, dass Abu Bakr den Qur'an zu Lebzeiten des Propheten (s.a.s.) auswendig gelernt hatte.46

Abu 7Ubayda hat in seinem Kitab al-qira'at die Namen der Qaris unter den Prophetengefährten aufgeführt. Unter den MuhaJirun waren es, abgesehen von den vier Kalifen, Xalhah, Sa7d, Ibn Mas7ud, Hudayfah, Salim, Abu Hurayrah, 7 Abdullah ibn as-Sa'ib, 7 Abdullah ibn 7Umar ibn al-Vaxxab, c Abdullah ibn Amr ibn al-As47, A'ipa, Hafsah und Umm Salamah. Unter den Ansar werden 7Ubadah ibn as-Samit, Mu7ad (dessen Beiname Abu Halimah war), MaJma 7 ibn Variyah, Fawalah ibn 7Ubayd und Muslima ibn Muvallid als qaris erwähnt, mit der Erläuterung, dass einige von ihnen den Qur'an nach dem Todes des Propheten (s.a.s.) vollendeten. Ibn Abu Da-wud48 zählt auch die Namen von Tamim ad-Dari und 7Uqba ibn Amir zu ihnen.

46 Dies wurde von as-Suyuxi von Ibn HaJar in seinem al-Itqan erwähnt.

47 Die folgenden sind Abadillah: Abdullah ibn 7Umar ibn al-Vaxxab (gest. 74/693), Abdullah ibn Amr ibn al-As an-Nahmi (gest. 63/682) und Abdullah ibn al-Abbas ibn Abd al-Muxxalib (gest. 68/687). An-Nasa'i überliefert in einem gut belegten (sahih) Bericht von Abdullah ibn 7Umar, dass er sagte: „Ich hatte den Qur'an gehört und rezitierte ihn in einer Nacht. Der Prophet (s.a.s.) hörte davon und forderte mich auf, ihn in einem Monat zu lesen."

48  Abu Dawud Sulayman ibn al-Ap7at ibn Ishaq as-SiJistani (gest. 275/889), ein muhaddit und faqih. Er ist berühmt für sein al-Sunan.

43

Ibn Sa7d49 überliefert in seinem Xabaqat, dass er von Fawl ibn Dakin hörte, dass dieser von al-Walid ibn Abdillah ibn jami7 hörte, seine Großmutter habe von Umm Waraqah, der Tochter von 7 Abdullah ibn al-Harit, berichtet, dass der Prophet (s.a.s.) sie oft besuchte und sie ap-Pahidah nannte. Sie hatte den Qur'an gesammelt, und der Prophet (s.a.s.) hatte ihr befohlen, die Gebete ihres Haushalts zu leiten.

49 Ibn Sa7d, Abu Abdillah Muhammad ibn Sa7d az-Zuhri (gest. 230/845), der Autor von Kitab ax- Xabaqat al-kabir.

44

4. Niederschrift des Qur'an in der Zeit der Offenbarung

Der Prophet (s.a.s.) hatte bestimmte Schreiber, die die Offenbarung für ihn in Nasvi, der damals gebräuchlichen Schrift, niederschrieben, und sie waren vierzig an der Zahl. Die bekannten unter ihnen sind folgende: die vier Kalifen, Abu Sufyan und seine Söhne Mu7awiyah und Yazid, Sa7id ibn al-As50 und seine Söhne Aban und Valid, Zayd ibn Tabit, Az-Zubayr ibn al-Awwam, Xalhah ibn 7Ubaydillah, Sa7d ibn Abi Waqqas, Amir ibn Tuhay-rah, 7 Abdullah ibn al-Arqam, 7 Abdullah ibn Rawahah, 7 Abdullah ibn Sa7d ibn Abi as-Sarah51, Ubayy ibn Ka7b,52 Tabit ibn Qays, Hancala ibn ar-Rabi7, ParJil ibn Hasan, al-Ala' ibn al-Hawrami, Valid ibn al-Walid, Amr ibn al-As, al-Mugirah ibn Pu7bah, Mu7ayqab ibn Abi Faximah ad-Dawsi, Hudayfah ibn al-Yaman und Huwayxib ibn Abdil-7Uzza al-Amiri.

Die Schreiber, deren Dienste vom Propheten (s.a.s.) am meisten in Anspruch genommen wurden, waren Ali ibn Abi Xalib (a.s.) und Zayd ibn Tabit. Aus den Überlieferungen wird deutlich, dass der Prophet (s.a.s.) der Niederschrift des Qur'an äußerste Sorgfalt widmete.

Al-Buvari überlieferte von al-Bara', dass der Prophet (s.a.s.), als der Vers „Diejenigen unter den Gläubigen, die zu Hause bleiben - es sei denn, sie seien gebrechlich - sind nicht denen gleich, die sich für Allahs Sache einsetzen. " (Sure 4, Vers 95), Zayd mit Feder, Tinte und Katif (dem Schulterblatt eines Schafes) zu sich bringen ließ. Als Zayd kam, bat er ihn, diesen Vers niederzuschreiben.

In der Episode, die sich auf die Bekehrung von 7Umar ibn al-Vaxxab bezieht, wird erwähnt, dass ein Mann, der den Qureisch angehörte, ihm mitteilte: „Deine Schwester hat deine Religion verlassen." 7Umar ging hin und schlug seine Schwester so ins Gesicht, dass die Haut aufplatzte. Als sein Zorn jedoch abgekühlt war, sah er, dass im Haus eine Schrift (sahifah) lag, in der Sure 57, Vers 1-8 niedergeschrieben waren.

50 Nach Pams ad-Din Sami in Qamus al-a7lam unter sin, S. 2575, war Sa7id ibn al-As beredt und hatte eine gute Handschrift. Er schrieb die mushaf während der Zeit von 7Utman und war einer der Schreiber des Zeitalters. Er wurde im Jahr der HiJra geboren.

51 Nach ax-Xabari in seiner Geschichte war Abdullah ibn Sa7d ibn Abi as-Sarah ein Schreiber des Offenbarten. Er wandte sich nach seiner Bekehrung zum Islam vom Glauben ab und bekehrte sich am Tag der Einnahme Mekkas wiederum.

52 Es wurde berichtet, Ubayy ibn Ka7b sei der erste gewesen, der für den Propheten (s.a.s.) schrieb. In seiner Abwesenheit vertrat ihn Zayd ibn Tabit.

45

Er sah ein weiteres Blatt, auf dem Sure 20, Verse 1-8 geschrieben waren. Als 7Umar die Aussagekraft dieser Verse bemerkte, nahm er den Islam an. Alle diese Überlieferungen und Erzählungen beweisen, dass der Prophet (s.a.s.) große Sorgfalt dafür walten ließ, dass der Qur'an niedergeschrieben wurde, und er wurde mit äußerster Genauigkeit und Vollständigkeit zu seinen Lebzeiten niedergeschrieben.

4.1 Benutzte Schreibmaterialien

Die Schreiber des Qur'an schrieben auf Palmenholz, Tafeln aus weißem Stein oder Stoffstücke, und manchmal schrieben sie auf Seide, die Schulterknochen von Schafen und Kamelen und auf Pergament. Es war bei den Arabern üblich, auf solche Dinge zu schreiben. Wenn darauf geschrieben worden war, bezeichnete man sie als suhuf, und solche suhuf wurden für den Propheten (s.a.s.) geschrieben und ihm übergeben und in seinem Haus aufbewahrt.

Muhammad ibn Ishaq an-Nadim schreibt in seinem al-Fihrist, dass der Qur'an in Gegenwart des Propheten (s.a.s.) auf Palmenholz, Tafeln aus weißem Stein und Schulterknochen von Kamelen geschrieben wurde. Al-Buvari berichtet von Zayd ibn Tabit, dass dieser den Qur'an suchte und aus Stücken von Palmenholz, Steintafeln und den Menschen, die ihn auswendig gelernt hatten, zusammenstellte.

Al-Ayyapi53 berichtet in seinem Tafsir im Zusammenhang mit einer von ihm übermittelten Überlieferung, dass Amir al-Mu'minin Ali (a.s.) sagte, dass der Prophet (s.a.s.) ihn in seinem Testament aufgefordert habe, nach der Beerdigung seines Körpers nicht sein Haus zu verlassen, bis er Allahs Buch gesammelt und zusammengestellt habe. Zu jener Zeit war der Qur'an nämlich auf Stücke von Palmenholz und Schulterknochen von Kamelen geschrieben.

53 Muhammad ibn Mas7ud ibn Muhammad ibn Ayyap, einer der großen imamiti-schen Fuqaha' und Traditionarier und Autor eines Kommentars, der als Tafsir Al-Ayyapi bekannt ist. Seine Handschriften existieren noch. Dem Kommentar wurden durch einige Gelehrte, die seine Isnad aus Gründen der Kürzung ausgelassen haben, Mängel zugefügt.

46

In einer von Ali ibn Ibrahim54 vermittelten Überlieferung von Abu Bakr al-Hawrami von Abu Abdillah ja7far ibn Muhammad (s.a.s.) wird erwähnt, dass der Prophet (s.a.s.) zu Ali (a.s.) sagte: „O Ali, der Qur'an wird auf der Rückseite meines Bettes in Blättern aus Seide und Papier aufbewahrt. Nimm sie und sammle sie, lass den Qur'an nicht verloren gehen, wie die Juden die Thora verloren haben." Ali bereitete sich auf diese Aufgabe vor, sammelte den Qur'an in einem gelben Tuch und setzte ein Siegel darauf.

Al-Harit Al-Muhasbi schreibt in seinem Buch Fahm as-Sunan: „Die Niederschrift des Qur'an ist nicht etwas, das erst kürzlich vorgenommen wurde, denn der Prophet (s.a.s.) ordnete an, dass er niedergeschrieben wurde. Aber der Qur'an befand sich zerstreut auf Schulterknochen von Kamelen, Steintafeln und Stücken von Palmenholz und Papier." Es gibt Überlieferungen, aus denen hervorgeht, dass die Verse des Qur'an nach Gebot und Anweisung des Propheten (s.a.s.) an ihre richtige Stelle angeordnet wurden. Die Überlieferungen beweisen auch, dass die Verse des Qur'an noch zu Lebzeiten des Propheten (s.a.s.) gesammelt und niedergeschrieben wurden.55

4.2 Die Sammler des Qur'an zu Lebzeiten des Propheten

Einige der Sahabah sammelten den Qur'an zu Lebzeiten des Propheten (s.a.s.), und einige von ihnen sammelten einen Teil davon zu seinen Lebzeiten und vollendeten das Werk nach seinem Tod.56

Muhammad ibn Ishaq an-Nadim hat die Namen derjenigen, die den Qur'an gesammelt haben, in seinem Buch al-Fihrist wie folgt erwähnt: Amir al-Mu'minin Ali ibn Abi Xalib (a.s.), Sa7d ibn 7Ubayd ibn an-Nu7man ibn Amr ibn Zayd,57 Abu ad-Darda' 7Uwaymir ibn Zayd,58 Mu7ad ibn jabal

54  Ali ibn Ibrahim ibn Hipam al-Qummi (gest. 309/919), ein imamitischer Muhad-dit und Autor eines bekannten Tafsir.

55  Al-Vaxa'i sagt: „Der Prophet (s.a.s.) sammelte den Qur'an nicht an einer Stelle, denn er erwartete, dass etwas offenbart würde, was einige seiner ahkam oder seiner tilawah (Rezitation) aufhob."

56 Abu 7Ubaydah sagt in Kitab al-qira7at, dass einige von ihnen ihr Werk nach dem Propheten (s.a.s.) abgeschlossen haben.

57  Sa7d ibn 7Ubayd ibn an-Nu7man ibn Qayd ibn Amr ibn Zayd al-Ansari al-Awsi. Er starb im Alter von 64 Jahren im Jahre 15/636 im Kampf von Qadisiyyah.

58  Abu ad-Darda', 7Uwaymir ibn Zayd. Er wurde „Hakim der Ummah" genannt. Er starb 32/652.

47

ibn Aws,59 Abu Zayd Tabit ibn Zayd ibn an-Nu7man,60 Ubayy ibn Ka7b ibn Qays Malik Imru' al-Qays, 7Ubayd ibn Mu7awiya,61 und Zayd ibn Tabit.

Al-Buvari stimmt in einer der Überlieferungen, die er von Qatadah übermittelt hat, vier von den oben erwähnten Namen zu. Qatadah berichtet, dass er Anas ibn Malik fragte, wer den Qur'an zu Lebzeiten des Propheten (s.a.s.) gesammelt habe. Er sagte, es seien vier Individuen gewesen, die alle zu den Ansar (Helfern) gehörten: Ubayy ibn Ka7b,62 Mu7ad ibn jabal, Zayd ibn Tabit und Abu Zayd. An anderer Stelle wird statt Ubayy ibn Ka7b der Name Abu ad-Darda' angegeben.

In al-Itqan wird berichtet, dass Ibn Abu Dawud in einer Überlieferung von Muhammad ibn Ka7b al-Qurawi berichtete, dass es sich bei denen, die den Qur'an gesammelt haben, um fünf Personen handelte: Mu7ad, 7Ubaydah ibn as-Samit,63 Ubayy ibn Ka7b, Abu ad-Darda' und Abu Ayyub al-Ansari.

Ibn Sirin berichtete, dass es sich um vier Personen handelte: Mu7ad, U-bayy, Abu Zayd, Abu ad-Darda' oder 7Utman oder 7Utman mit Tamim ad-Dari.

59  Mu7ad ibn jabal ibn Amr ibn Aws. Nach einer Überlieferung soll der Prophet (s.a.s.) gesagt haben: „Wenn sich die Gelehrten vor Gott versammeln, wird Mu7ad sie anführen, wobei er auf einer Anhöhe (steht)." Mu7ad starb im Jahre 18/639 in Gur im Alter von 35 Jahren an der Pest.

60 Abu Zayd Tabit ibn Zayd al-Ansari. Nach Ibn al-Atir 7Izz ad-Din Abu al-Hasan al-jazari in Usud al-5abah sagte al-Abbas ad-Dawri: „Ich habe zugehört, als Ya-hya ibn Mu7in nach Abu Zayd gefragt wurde, der zu Lebzeiten des Propheten (s.a.s.) den Qur'an gesammelt haben soll. Er antwortete: ,Tabit ibn Zayd.' Abu 7Umar sagte: ,Ich weiß von keinem anderen.'" Es wurde auch gesagt, es sei Abu Zayd Sa7d ibn 7Ubayd ibn an-Nu7man. Der erste Name jedoch, der mit Ibn an-Nadims Aussage übereinstimmt, ist der wahrscheinlichere.

51Auch andere Namen wurden erwähnt wie 7Ubayd ibn Mu7ad und Atik ibn Mu7ad

al-jazari, wie in Usud al-5abah.

52 Ubayy ibn Ka7b ibn Qays Abu al-Mundir al-VazraJi al-Ansari, der in Bezug auf

den Qur'an nach Ali (a.s.) der gelehrteste der Prophetengefährten und der führende

qari war. Er lernte den Qur'an vom Propheten (s.a.s.) und war ein Mann des Wissens

und Handelns. Er starb 20/641 in Medina.

63 7Ubayda ibn as-Samit ibn Qays al-VazraJu al-Ansari, der die muslimische Armee

in Ägypten kommandierte. Er sammelte den Qur'an und wurde von 7Umar ibn al-

Vaxxab nach Syrien geschickt, um die Leute dort den Qur'an und islamisches Recht

zu lehren. Er starb 34/654 in ar-Ramlah oder al-Bayt al-Muqaddas.

48

Al-Bayhaqi und Ibn Abu Dawud berichten von Ap-Pa 7bi, dass sie sechs waren: Mu7ad, Zayd ibn Tabit64, Ubayy, Abu ad-Darda', Sa7d ibn 7Ubayd, Abu Zayd und MaJma 7 ibn jariyah.

In seinem al-Manaqib berichtet al-Vwarizmi, dass Ali ibn Riyah gesagt habe, der Qur'an sei zur Zeit des Propheten (s.a.s.) von Ali ibn Abi Xalib (a.s.) und Ubayy ibn Ka7b gesammelt worden. Einige der Überlieferungen zeigen, dass Amir al-Mu'minin Ali (a.s.) den Qur'an in der Reihenfolge seiner Offenbarung niederschrieb und die abrogierten Verse vor den abrogie-renden anordnete. Ibn Aptah hat in al-Masahif von ibn Sirin überliefert, dass Ali (a.s.) die abrogierten und die abrogierenden Verse in seinem mushaf des Qur'an niederschrieb. Ibn Sirin sagt dazu, er haben einen Brief nach Medina geschrieben und darum (das mushaf) gebeten, sei aber nicht in der Lage gewesen, es zu bekommen.

Ibn HaJar65 sagt, dass von Imam Ali (a.s.) berichtet wurde, er habe den Qur'an der Reihenfolge der Offenbarung der Verse entsprechend gesammelt. Auch ibn Abu Dawud hat diese Überlieferung wiedergegeben.

Im Kommentar zu al-Kafi zitierte Mawla Sabih al-Qazwini aus dem Buch von Sulaym ibn Qays al-Hilali, dass sich Ali (a.s.) nach dem Hinscheiden des Propheten (s.a.s.) in sein Haus zurückzog und damit beschäftigte, den Qur'an zu sammeln und zusammenzustellen; er verließ das Haus nicht, bis er seine Arbeit, den Qur'an zu sammeln, abgeschlossen hatte, wobei er abrogie-rendes (nasiv) und abrogiertes (mansuv), klare (muhkam) und mehrdeutige (mutapabih) Verse in der Reihenfolge ihrer Offenbarung niederschrieb.

64 Zayd ibn Tabit ibn Dahhak ibn Zayd ibn Lawzan. Er war einer der Schreiber der Offenbarung (wahy). Er lernte den Qur'an auswendig und studierte das Recht, dazu lernte er auf Anweisung des Propheten (s.a.s.) Syrisch. Nach einem Bericht von al-Waqidi, der durch eine Überliefererkette von Yahya ibn Bukayr übermittelt wurde, starb er 45/665. Es wird auch gesagt, dass er 55/675 starb (ad-Dahabi, Tadkirat al-huffac).

Ax-.Xabarani, al-Bayhaqi und al-Hakim überliefern von ap-Pa7bi, dass Zayd ibn Tabit einmal das Totengebet für jemanden verrichtet hatte und ihm ein Maultier zum Reiten gebracht wurde. Ibn Abbas kam und hielt ihm die Steigbügel. Zayd sagte zu ihm: „Lass es, Vetter des Gesandten Gottes." Ibn Abbas antwortete: „Wir wurden aufgefordert, uns Gelehrten und Älteren gegenüber so zu verhalten." Da küsste ihm Zayd ibn Tabit die Hände und sagte: „Und wir wurden aufgefordert, uns so der Familie des Propheten (s.a.s.) gegenüber zu verhalten." Nach al-Hakim ist das hadit sahih al-isnad 7ala parx muslim. (Kitab al-ibda', S. 99).

65  10) As-Suyuxi, al-7Itqan.

49

Payv al-Imam Muhammad ibn Muhammad ibn an-Nu7man al-Mufid66 schrieb in al-Irpad und ar-Risalah as-Sarwiyyah, dass Ali (a.s.) die abrogier-ten (mansuv) Verse in seinem mushaf des Qur'an vor die abrogierenden (nasiv) gesetzt und ta'wil und tafsir einiger Verse detailliert geschrieben habe.

In einer Erklärung zu seinem tafsir des Qur'an schreibt Ap-Pahristani: „Die Gefährten des Propheten (s.a.s.) waren einstimmig der Ansicht, dass die Kenntnis des Qur'an der besondere Aufgabenbereich der Ahl al-Bayt (Familienangehörigen des Propheten, s.a.s.) war, denn sie fragten Ali (a.s.), ob die Ahl al-Bayt außer der Kenntnis des Qur'an auch noch eine weitere exklusive Sonderaufgabe hatte." Dieses Zugeständnis der Prophetengefährten gegenüber dem Prärogativ der Ahl al-Bayt hinsichtlich des Qur'an beweist, dass unter ihnen ein Konsens bestand, dass die Kenntnisse des Inhalts des Qur'an und seiner Auslegung der besondere Aufgabenkreis der Familienangehörigen des Propheten (s.a.s.) war.

4.3. Die Datierung der Suren

Hier stütze ich mich auf Nazm ad-durar wa tanasuq al-ayat wa as-suwar von Ibrahim ibn 7Umar al-Biqa7i67 (Ägypten), al-Fihrist von ibn an-Nadim (Ägypten) und das Werk von Abu al-Qasim 7Umar ibn Muhammad ibn Abd al-Kafi. Wie zuvor erwähnt hat Professor Nöldeke68 in seinem Buch „Geschichte des Qur'an" aus Abd al-Kafis Buch zitiert, das seinen Angaben nach in der Warn Library (Cod Lugd 674) vorhanden war.

Zeitpunkt der Offenbarung der Suren:

1. Al-Hamd: mekkanisch; wurde offenbart nach al-Muddattir (74).

66  Ap-Payv al-Mufid, Muhammad ibn Muhammad ibn an-Nu7man al-Bagdadi al-Karvi (336-413/948-1022), der große imamitische faqih, mutakallim und muhaddit. Er war der Lehrer von Ap- Parif ar-Rawi und Ap-Parif al-Murtawa.

67   Ibrahim al-Biqa7i, Burhan ad-DIn Abu Ishaq Ibrahim ibn 7Umar al-Biqa7i ap-Pafi7i (gest. 809/1406); unter seinen Büchern ist Kitab sirr ar-Ruh.

T. Nöldeke (1836-1931), deutscher Orientalist. Als Gelehrter der orientalischen und semitischen Sprachen leistete er einen wichtigen Beitrag zur Islamwissenschaft und Orientalistik.

50

2.  Al-Baqara: dies war die erste Sure, die in Medina offenbart wurde, mit Ausnahme von Vers 281, der in Mina zur Zeit der Abschiedswallfahrt (HiJ-Jat al-Wada') offenbart wurde.

3.  Al- 7Imran: medinensisch; wurde nach al-'Anfal (8) offenbart.

4. An-Nisa': medinensisch; wurde nach al-Mumtahana (60) offenbart.

5.  Al-Ma'idah: medinensisch mit Ausnahme von Vers 3, der in 7 Arafat bei der Abschiedswallfahrt offenbart wurde. Nach Sure al-Fath (48) offenbart.

6. Al-'An7am, mekkanisch mit Ausnahme der Verse 20, 23, 91, 93, 114, 141, 151, 152 und 153, die in Medina offenbart wurden. Nach Sure al-HiJr (15) offenbart.

7.  Al-'A3raf: mit Ausnahme der Verse 163-170 mekkanisch. Offenbart nach Sure Sad (38).

8.  Al-'Anfal: mit Ausnahme der Verse 30-36 medinensisch. Offenbart nach Sure al-Baqara (2).

9.  At-Tawba: mit Ausnahme der beiden letzten Verse, die in Mekka offenbart wurden, medinensisch; offenbart nach Sure al-Ma'ida (5).

10.  Yunus: mit Ausnahme der Verse 40, 94, 95 und 96, die zur medinensi-schen Periode gehören, in Mekka offenbart nach Sure al-'Isra' (17).

11.  Hud: mit Ausnahme der Verse 12, 17 und 114, die in Medina offenbart wurden, mekkanisch; offenbart nach Sure Yunus (10).

12.  Yusuf: mit Ausnahme der Verse 1, 2, 3 und 7, die in Medina offenbart wurden, mekkanisch; offenbart nach Sure Hud (11).

13. Al-Ra7d: medinensisch, offenbart nach Sure Muhammad (47).

14.  Ibrahim: mit Ausnahme der Verse 28 und 29 mekkanisch. Offenbart nach Sure Nuh (71).

15.  Al-HiJr: mit Ausnahme von Vers 87 mekkanisch. Offenbart nach Sure Yusuf (12).

16.  Al-Nahl: mit Ausnahme der drei letzten Verse mekkanisch. Offenbart nach Sure al-Kahf (18).

17.  Al-'Isra: mit Ausnahme der Verse 26, 32, 33, 57 und 73-80 mekkanisch. Offenbart nach Sure al-Qasas (28).

18. Al-Kahf: mit Ausnahme der Verse 28 und 83-101 mekkanisch. Offenbart nach Sure al-Gapiya.

19.  Mary am: mit Ausnahme der zwei Verse 58 und 71 mekkanisch. Offenbart nach Sure Faxir (35).

20.  Ta-Ha: mit Ausnahme der beiden Verse 130 und 131 mekkanisch. Offenbart nach Sure Maryam (19).

21. Al-'Anbiya': mekkanisch; offenbart nach Sure Ibrahim (14).

51

22.  Al-HaJJ: mit Ausnahme der Verse 52-55, die zwischen Mekka und Medina offenbart wurden, medinensisch. Offenbart nach Sure al-Nur (24).

23. Al-Mu'minun: mekkanisch; offenbart nach Sure al-'Anbiya' (21).

24. Al-Nur: medinensisch; offenbart nach Sure al-Hapr (59).

25.  Al-Furqan: mit Ausnahme der Verse 68-70 mekkanisch; offenbart nach Sure Ya-sin (36).

26.  Al-Pu7ara': mit Ausnahme des Verses 197 und der Verse ab 224 bis zum Ende der Sure mekkanisch. Offenbart nach Sure al-Waqi7a (56).

27. Al-Naml: mekkanisch; offenbart nach Sure al-Pu7ara' (26).

28. Al-Qasas: mit Ausnahme der Verse 52-55, die in Medina und des Verses 85, der in juhfah zur Zeit der HiJJra offenbart wurden, mekkanisch. Offenbart nach Sure al-Naml (27).

29.  Al-Ankabut: mit Ausnahme der Verse 1-11 mekkanisch; offenbart nach Sure al-Rum (30).

30.  Al-Rum: mit Ausnahme des Verses 17 mekkanisch; offenbart nach Sure al-'lnpiqaq (84).

31.  Luqman: mit Ausnahme der Verse 27-29 mekkanisch; offenbart nach Sure al-Saffat (37).

32.  Al-SaJda: mit Ausnahme der Verse 16-20 mekkanisch; offenbart nach Sure al-Mu'minun (23).

33. Al-'Ahzab: medinensisch; offenbart nach Sure Al-7Imran (3).

34.  Saba': mit Ausnahme des Verses 6 mekkanisch; offenbart nach Sure Luqman (31).

35. Al-Faxir: mekkanisch; offenbart nach Sure al-Furqan (25).

36. Ya-sin: mit Ausnahme von Vers 45 mekkanisch; offenbart nach Sure al-jinn (72).

37. Al-Saffat: mekkanisch; offenbart nach Sure al-'An7am (6).

38.  Sad: mekkanisch; offenbart nach Sure al-Qamar (54).

39.  Al-Zumar: mit Ausnahme der Verse 52-54 mekkanisch; offenbart nach Sure Saba' (34).

40.  Al-Mu'min (al-Gafir): mit Ausnahme der beiden Verse 56 und 57 mekkanisch; offenbart nach Sure al-Zumar (39).

41.   Fussilat (Ha-mim. al-SaJda): mekkanisch; offenbart nach Sure al-Mu'min (al-Gafir) (40).

42.  Al-Pura': mit Ausnahme der Verse 23-25 und 27 mekkanisch; offenbart nach Sure Fussilat (41).

43.  Al-Zuvruf: mit Ausnahme von Vers 54 mekkanisch; offenbart nach Sure al-Pura (42).

52

44. Al-Duvan: mekkanisch; offenbart nach Sure al-Zuvruf (43).

45.  Al-jatiyah: mit Ausnahme von Vers 14 mekkanisch; offenbart nach Sure al-Duvan (44).

46.  Al-'Ahqaf: mit Ausnahme der Verse 10, 15 und 35 mekkanisch; offenbart nach Sure al-jatiya (45).

47.  Muhammad: mit Ausnahme von Vers 13, der während der HiJra offenbart wurde, medinensisch; offenbart nach Sure al-Hadid (57).

48.  Al-Fath: offenbart während der Rückkehr von al-Hudaybiyya; offenbart nach Sure al-jumu7a (62).

49. Al-HuJurat: medinensisch; offenbart nach Sure al-MuJadala (58).

50.  Qaf: mit Ausnahme von Vers 38 mekkanisch; offenbart nach Sure al-Mursalat (77).

51. Al-Dariyat: mekkanisch; offenbart nach Sure al-'Ahqaf (46).

52. Al-Xur: mekkanisch; offenbart nach Sure al-SaJdah (32).

53.  Al-NaJm: mit Ausnahme von Vers 32 mekkanisch; offenbart nach Sure

54.  Al-Qamar: mit Ausnahme der Verse 44-46 mekkanisch; offenbart nach Sure al-Xariq (86).

55. Al-Rahman: medinensisch; offenbart nach Sure al-Ra7d (13).

56.  Al-Waqi7a: mit Ausnahme der Verse 81 und 82 mekkanisch; offenbart nach Sure Xa-Ha (20).

57. Al-Hadid: medinensisch; offenbart nach Sure al-Zilzal (99).

58. Al-MuJadalah: medinensisch; offenbart nach Sure al-Munafiqun (63).

59. Al-Hapr: medinensisch; offenbart nach Sure al-Bayyinah (98).

60. Al-Mumtahanah: medinensisch; offenbart nach Sure al-'Ahzab (33).

61. Al-Saff: medinensisch; offenbart nach Sure al-Tagabun (64).

62. Al-jumu7a: medinensisch; offenbart nach Sure al-Saff 61).

63. Al-Munafiqun: medinensisch; offenbart nach Sure al-HaJJ (22).

64. Al-Tagabun: medinensisch; offenbart nach Sure al-Tahrim (66).

65. Al-Xalaq: medinensisch; offenbart nach Sure al-'Insan (76).

66. Al-Tahrim: medinensisch; offenbart nach Sure al-HuJurat (49).

67. Al-Mulk: mekkanisch; offenbart nach Sure al-Xur (52).

68.  Al-Qalam: mit Ausnahme der Verse 17-33 und 48-50 mekkanisch; offenbart nach Sure al- 3Alaq (96).

69. Al-Haqqah: mekkanisch; offenbart nach Sure al-Mulk (67).

70. Al-Ma7ariJ: mekkanisch; offenbart nach Sure al-Haqqah (69).

71. Nuh: mekkanisch; offenbart nach Sure al-Nahl (16).

72.  Al-jinn: mekkanisch; offenbart nach Sure al-'A7raf (7).

53

73.  Al-Muzzammil: mit Ausnahme der Verse 10, 11 und 20 mekkanisch; offenbart nach Sure al-Qalam (68).

74. Al-Muddattir: mekkanisch; offenbart nach Sure al-Muzzammil (73).

75. Al-Qiyamah: mekkanisch; offenbart nach Sure al-Qari7ah (101).

76. Al-'Insan (al-Dahr): medinensisch; offenbart nach Sure al-Rahman (55).

77.  Al-Mursalat: mit Ausnahme von Vers 48 mekkanisch; offenbart nach Sure al-Humazah (104).

78. Al-Naba': mekkanisch; offenbart nach Sure al-Ma7ariJ (70).

79. Al-Nazi7at: mekkanisch; offenbart nach Sure al-Naba' (78).

80.  Abasa: mekkanisch; offenbart nach Sure al-NaJm (53).

81. Al-Takwir: mekkanisch; offenbart nach Sure al-Masad (111).

82. Al-'Infixar: mekkanisch; offenbart nach Sure al-Nazi7at (79).

83.  Al-Muxaffifin: die letzte Sure, die in Mekka offenbart wurde; offenbart nach Sure al-'Ankabut (29).

84. Al-'Inpiqaq: mekkanisch; offenbart nach Sure al-'Infixar (82).

85. Al-BuruJ: mekkanisch; offenbart nach Sure al-Pams (91).

86. Al-Xariq: mekkanisch, offenbart nach Sure al-Balad (90).

87. Al-'A7la: mekkanisch; offenbart nach Sure al-Takwir (81).

88. Al-Gapiyah: mekkanisch; offenbart nach Sure al-Dariyat (51).

89. Al-FaJr: mekkanisch, offenbart nach Sure al-Layl (92).

90. Al-Balad: mekkanisch; offenbart nach Sure Qaf (50).

91. Al-Pams: mekkanisch; offenbart nach Sure al-Qadr (97).

92. Al-Layl: mekkanisch; offenbart nach Sure al-'A7la (87).

93. Al-Wuha: mekkanisch; offenbart nach Sure al-FaJr (89).

94. Al-'Inpirah: mekkanisch; offenbart nach Sure al-Wuha (93).

95. Al-Tin: mekkanisch; offenbart nach Sure al-BuruJ (85).

96.  Al-Alaq ist die erste Sure des Qur'an, die dem Propheten (s.a.s.) offenbart wurde.

97. Al-Qadr: mekkanisch; offenbart nach Sure Abasa (80).

98. Al-Bayinnah: medinensisch; offenbart nach Sure al-Talaq (65).

99. Al-Zilzal: medinensisch; offenbart nach Sure al-Nisa' (4).

100. Al-Adiyat: mekkanisch; offenbart nach Sure al-Asr (103).

101. Al-Qari7ah: mekkanisch, offenbart nach Sure Qurayp (106).

102. Al-Takatur: mekkanisch; offenbart nach Sure al-Kawtar (108).

103. Al-Asr: mekkanisch; offenbart nach Sure al-'Inpirah (94).

104. Al-Humazah: mekkanisch; offenbart nach Sure al-Qiyamah (75).

105. Al-Fil: mekkanisch; offenbart nach Sure al-Kafirun (109).

106. Qurayp: mekkanisch; offenbart nach Sure al-Tin (95).

54

107.  Al-Ma7un: mit Ausnahme der ersten drei Verse medinensisch; offenbart nach Sure al-Takatur (102).

108. Al-Kawtar: mekkanisch, offenbart nach Sure al-Adiyat (102).

109. Al-Kafirun: mekkanisch; offenbart nach Sure al-Ma7un (107).

110.  Al-Nasr: offenbart in Mina während der Abschiedswallfahrt; sie wird als medinensische Sure angesehen. Dies ist die letzte Sure, die offenbart wurde.

111. Al-Masad (al-Lahab): mekkanisch; offenbart nach Sure al-Fatihah (1).

112. Al-'Ivlas: mekkanisch; offenbart nach Sure al-Nas (114).

113. Al-Falaq: mekkanisch; offenbart nach Sure al-Fil (105).

114. Al-Nas: mekkanisch; offenbart nach Sure al-Falaq (113).

4.4 Anordnung der Qur'ansuren nach der Offenbarung in Mekka und Medina

Hier berufen wir uns auf die Überlieferung von Ibn an-Nadim69 durch eine Überliefererkette von Muhammad ibn Bapir, denn sie ist ein altes und vertrauenswürdiges Dokument. Darüber hinaus besteht wenig Unterschied zwischen der darin wiedergegeben Anordnung und der in den Werken von Ibrahim ibn 7Umar al-Biqa'i und Abu al-Qasim 7Umar ibn Muhammad ibn Abd al-Kafi wiedergegebenen, wie Nöldeke feststellt.

Die dem Propheten (s.a.s.) in Mekka offenbarten Verse und Suren stehen in folgender Reihenfolge:

1. Al-QAlaq (96), Verse 1-5.

2. Al-Qalam (68).

3.  Al-Muzzammil (73); der letzte Vers dieser Sure wurde auf dem Weg nach Mekka offenbart.

4. Al-Muddattir (74).

5. Al-Lahab (111).

6. Al-Takwir (81).

7. Al-A7la (87).

8. Al-'Inpirah (94).

9. Al-Asr (103).

10. Al-FaJr (89).

11. Al-Wuha (93).

69 Ibn an-Nadim, al-Fihrist (Ägypten), S. 37.

55

12. Al-Layl (92).

13. Al-Adiyat (100).

14. Al-Kawtar (108).

15. Al-Takatur (102).

16. Al-Ma7un (107).

17. Al-Kafirun (109).

18. Al-Fil (105).

19. Al-'Ivlas (112).

20. Al-Falaq (113); diese wird z. T. auch als medinensisch angesehen.

21. Al-Nas (114).

22. Al-NaJm (53).

23.  Abasa (80).

24. Al-Qadr (97).

25. Al-Pams (91).

26. Al-BuruJ (85).

27. Al-Tin (95).

28. Qurayp (106).

29. Al-Qari7ah (101).

30. Al-Qiyamah (75).

31. Al-Humazah (104).

32. Al-Mursalat (77).

33. Qaf (50).

34. Al-Balad (90).

35. Al-Rahman (55).

36. Al-jinn (72).

37. Ya-sin (36).

38. Al-A3raf (7).

39. Al-Furqan (25).

40. Al-Mala'ikah (35)

41. Al-Fatir (35); identisch mit al-Mala'ikah.

42. Maryam (19).

43.  Xa-Ha (20).

44. Al-Waqi7ah (56).

45. Al-Pu7ara' (26).

46. Al-Naml (27).

47. Al-Qasas (28).

48. Bani Isra'il (17).

49. Hud (11).

56

50. Yusuf (12).

51. Yunus (10).

52. Al-HiJr (15).

53. Al-Saffat (37).

54. Luqman (31); den letzten Teil sieht man als medinensisch an.

55. Al-Mu'minun (23).

56.  Saba' (34).

57. Al-'Anbiya' (21).

58. Al-Zumar (39).

59. Al-Mu'min (40).

60.  Ha-mim al-SaJda (Fussilat) (41).

61. Al-Pura' (42).

62. Al-Zuvruf (43).

63. Al-Duvan (44).

64. Al-jatiyah (45).

65. Al-'Ahqaf (46); einer ihrer Verse wurde in Medina offenbart.

66. Al-Dariyat (51).

67. Al-Gapiyah (88).

68. Al-Kahf (18); der letzte Teil wurde in Medina offenbart.

69. Al-'An7am (6); einige Verse wurde in Medina offenbart.

70. Al-Nahl (16).

71. Nuh (71).

72. Ibrahim (14).

73. Al-SaJdah (32).

74. Al-Xur (52).

75. Al-Mulk (67).

76. Al-Haqqah (69).

77. Al-Ma7ariJ (70).

78. Al-Naba' (78).

79. Al-Nazi7at (79).

80. Al-'Infixar (82).

81. Al-'Inpiqaq (84).

82. Al-Rum (30).

83. Al-Ankabut (29).

84. Al-Muxaffifin (83); diese wird z. T. auch als medinensisch bezeichnet.

85. Al-Qamar (54).

86. Al-Xariq (86).

57

At-Tawri überliefert von Faras, der von ap-Pa7bi berichtet, dass dieser gesagt habe, an-Nahl sei in Mekka offenbart worden, mit Ausnahme ihrer drei letzten Verse (126-128).

In al-Fihrist überliefert Ibn jarih von Ata' al-Vurasani, der von Ibn Abbas berichtet, dieser habe gesagt, dass fünfundachtzig Suren des Qur'an in Mekka und achtundzwanzig in Medina offenbart wurden. Die in Medina offenbarten Suren sind folgende:

1. Al-Baqara (2).

2. Al-'Anfal (8).

3. Al-'A7raf.

4.  Al-7Imran (3).

5. Al-Mumtahanah (60).

6. Al-Nisa' (4).

7. Al-Zilzal (99).

8. Al-Hadid (57).

9. Muhammad (47).

10. Al-Ra7d (13).

11. Al-Dahr oder al-'Insan (76).

12. Al