Frau und Islam
Im
Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen
Nicht
selten wird Muslimen vorgeworfen, im Islam würden Frauen für minderwertiger
erachtet als Männer und deshalb würden ihnen weniger Rechte und Freiheiten
zugestanden als diesen.
Solche
Vorwürfe kommen dadurch zustande, daß zweierlei miteinander verwechselt wird:
Verhaltensmuster, die sich im Laufe der Zeit eingebürgert haben und daraus
resultierendes Gewohnheitsrecht in vielen sogenannten islamischen Ländern
auf der einen Seite und die Rechtleitung, die Gott uns Menschen in
Seiner Offenbarung an die Propheten gegeben hat auf der anderen.
Der
Prophet Muhammad, Gott segne ihn und seine Familie, empfing in der Zeit zwischen
610 und 632 n Chr. die letzte, uns vollständig im heiligen Qur'an überlieferte
Verbaloffenbarung Gottes, größter Beweis für die göttliche Gnade und
Richtschnur für menschliches Handeln. Muslime, die gemäß dieser Rechtleitung
leben, unterdrücken nicht und sollen sich nicht unterdrücken lassen.
Wir
Muslimische Frauen sind der Meinung, daß die Quellentexte des Islam, nämlich
der Qur'an und das was uns über die Lebensführung des Propheten Muhammad
bekannt ist, nur eine Tendenz verfolgen:
Die
Befreiung der Frau auf allen Gebieten unter Berücksichtigung ihrer speziell
weiblichen Natur
Das
soll näher verdeutlicht werden.
Gleichheit
vor Gott
Die
Frau hat vor Gott denselben Stellenwert wie der Mann. Sie ist ihm geistig
völlig ebenbürtig. Sie ist in ihrer Fähigkeit sich zu vervollkommnen, d.h.
die Eigenschaften Gottes wie Schönheit, Aufrichtigkeit, Liebe, Barmherzigkeit,
Kreativität, Gerechtigkeit, Weisheit, Großzügigkeit, Warhaftigkeit,
Lebendigkeit, Autorität, Mitgefühl, Geduld, Einzigartigkeit, Unabhängigkeit
usw. anzustreben, genauso bzw. genauso eingeschränkt wie der Mann.
"Wahrlich,
die muslimischen Männer und die muslimischen Frauen, die gläubigen, die
wahrhaftigen, die standhaften, die demütigen, die Almosen gebenden, die
fastenden, die ihre Keuschheit wahrenden, die Allahs häufig gedenkenden Männer
und Frauen - Allah hat ihnen Vergebung und herrlichen Lohn bereitet."
(Quran 33,36)
In
zahlreichen qur'anischen Versen wird eindeutig die Ansicht vertreten, daß
Frauen und Männer aus einem ihnen entsprechenden Wesen erschaffen worden
sind. Über den ersten Menschen heißt es:
"...der
Euch aus einen einzigen Wesen erschaffen hat, und aus ihm das ihm entsprechende
andere Wesen, und der aus ihnen beiden viele Männer und Frauen hat hervorgehen
und sich über die Erde ausbreiten lassen..." (Qur'an 4,2)
Quranisch
gesehen gibt es keine größere Anfälligkeit der Frau für Sünde. Der Islam
lehrt uns daß beide Urtypen des Menschengeschlechts, Adam und Eva, jeder
selbstverantwortlich Gottes Gebot übertraten. Eva war nicht die Verführerin
Adams!
"Doch
Satan ließ beide daran straucheln und trieb sie von dort, worin sie
waren." (Quran 2,37)
Nicht
nur Männer spielen Hauptrollen in quranischen Erzählungen, sondern der Quran
nennt neben jedem großen Mann eine große Frau; z.B. werden die Frauen Adams
und Abrahams sowie die Mutter Moses und Jesu gepriesen. Über Maria, deren Namen
die 19. Sure (Al-Maryam) trägt, heißt es, sie habe eine solche Stellung
erreicht, daß sie Zacharias, den Propheten ihrer Zeit, hinter sich ließ und
ihn in Erstaunen versetzte.
Es
gibt keinen Grund, warum nicht auch eine Frau aktiv bei der Gestaltung und dem
Aufbau der Gesellschaft mitarbeiten könnte. In der echten islamischen Ummah
sind beide, sowohl Mann als auch Frau, engagierte vollwertige Mitglieder. Beide
haben das Recht und die Aufgabe an der Bildung einer gerechten Ordnung
mitzuwirken, Sie sind politisch gleichberechtigt.
"Die
gläubigen Männer und die gläubigen Frauen sind einer des anderen Freund. Sie
gebieten das Gute und verwehren das Schlechte und verrichten das Gebet und
zahlen die Zakat (Sozialsteuer) und gehorchen Allah und seinen Gesandten. Sie
sind es, denen Allah sich erbarmen wird. Wahrlich, Allah ist allmächtig,
allweise." (Qur'an 7,21f)
Der
Islam erkennt den Grundsatz der Gleichberechtigung der Menschen im Falle
unterschiedlicher Geschlechter an, aber er richtet sich gegen die Identität
der Rechte und Pflichten beider. Die Unterschiede zwischen Mann und Frau sind
komplementär. Sie haben mit der Unvollkommenheit des einen und der
Vollkommenheit des anderen nichts zu tun. Mann und Frau, die für ein
gemeinsames Leben geschaffen worden sind, ergänzen sich durch diese
Unterschiede gegenseitig. Wenn die Frau danach strebt sich zu verändern,
weiterzuentwickeln und die Attribute Gottes zu assimilieren, so bedeutet das,
alle starren Normen zu verneinen und zum höchsten Ziel vorwärts zu schreiten.
Es handelt sich dabei um einen immerwährenden Prozess der Vervollkommnung,
nicht um eine Zurechtstutzung in Schablonen und Stereotypen, es handelt sich
aber auch nicht um eine Veränderung, die darauf hinausliefe zum das männliche
und weibliche Prinzip vereinenden Einzelwesen zu werden. Es bräuchte sonst
keine Polarität in der Schöpfung zu geben.
Islamisches
Frauenideal
Sie
ist eine Frau, die Philosophische Gedanken nicht von der Sorge um ihre
Mitmenschen ablenken. Ihr soziales Engagement führt nicht zu dem Hang, es den
Leuten in jedem Fall recht machen zu wollen. Wissen raubt ihr nicht den Sinn
für den Glauben. Gottesfurcht macht aus ihr kein Frömmchen, das zu nichts zu
gebrauchen ist. Sie eine Frau der Poesie ebenso wie des kritischen Eintretens
für Gerechtigkeit. Sie hat wahre Menschlichkeit in sich vereint. Das Leben hat
sie nicht zu einem eindimensionalen gebrochenen Geschöpf gemacht und sie nicht
von ihrem Selbst entfremdet.
Sexualität
und Ehe
Sexualität
ist eine natürliche Veranlagung der Menschen mit körperlichem und spirituellem
Aspekt, doch wird sie im Islam durch festgelegte Eheformen reguliert. So wird
gewährleistet, daß die natürliche Verbindung zwischen Mann und Frau nicht
ihren gottgewollten Charakter verliert, nämlich das Näherbringen der
Partner zu Gott, unserem Schöpfer und Erhalter.
"Und
von jedem Ding haben Wir Paare erschaffen, auf daß ihr euch vielleicht doch
besinnen möchtet!" (Qur'an 51,50)
Unzählige
Gegensatzpaare als wechselseitige Erscheinungsformen eines harmonischen Ganzen
lassen sich finden im Tierreich, im Pflanzenreich, im Wechsel von Tag und Nacht,
in Proton und Elektron, in dem das ganze Universum durchziehenden Gesetz der
gegenseitigen Anziehung und Abstoßung. Jedes einzelne Teil für sich genommen
erfüllt seinen Zweck und leistet seinen Beitrag im wunderbaren Schöpfungsplan
Gottes, doch erst in der gegenseitigen Ergänzung entfalten sie ihre Stärke.
Gerade die Mann - Frau Verbindung in einem gottgewollten Bund verdeutlicht uns,
wie schön und notwendig das Aufeinanderwirken, der Austausch beider Pole ist.
Wenn sich beide erkennen und ergänzen, ist das die beste Vorraussetzung für
Harmonie und Frieden zwischen ihnen und allen anderen Geschöpfen, für das
Einswerden mit Seiner Schöpfung und damit auch mit Ihm!
Schutz
der Familie
Eine
gesunde Gesellschaft wird von gesunden Familien getragen und gerade die Familie
genießt in einem islamischen System besonderen Schutz.
Das
Idealbild der Ehegemeinschaft in Islam ist nicht ein egoistisches
Nebeneinander der beiden Partner, sondern ein ergänzendes Mit- und
Füreinander. Aus diesem Grunde sollten die Aufgaben sinnvoll geteilt und
partnerschaftlich zusammengearbeitet werden. Jeder soll dem anderen so viel
Freiraum zugestehen, wie dieser zur Entfaltung seiner Idealgestalt
benötigt. Ein starr festgelegtes Rollenschema gibt es im Qur'an nicht, es geht
jedoch klar im aus ihm hervor, daß es die wertvollste Aufgabe einer Mutter ist,
die Kinder nach der Geburt weiter zu versorgen. Sie ist fähig dem Säugling die
bekömmliche Muttermilch zu geben und hat durch ihren körperlichen Bezug zum
werdenden Leben von Anfang an die innigste Beziehung zu dem kleinen
schutzbedürftigen Wesen. Vor allem in dieser Situation ist es wichtig, daß der
Vater die Beschützer- und Versorgerrolle einnimmt und auf diese Weise dem Kind
eine unbelastete Kindheit ermöglicht wird.
Eine
muslimische Frau darf nicht ans Haus gebunden werden, aber sie soll ihre Aufgabe
als erste Bezugsperson der Kinder verantwortungsvoll übernehmen, vor allem
während der ersten Lebensjahre des Kindes. Das muss die gesellschaftliche
Position einer Frau in keiner Weise beeinträchtigen, Höchstens ihre
Produktivkraft in anderen Bereichen, z.B. im Arbeitsleben. Wenn sie aber
ihren Erziehungsauftrag gewissenhaft erfüllt, ihre Kinder glücklich erzieht,
legt sie damit den Grundstein für eine glücklichere Gesellschaft, und ihre
Arbeit ist von unschätzbarem Wert. Nichtsdestoweniger darf das ihre eigene
Vervollkommnung und Gottergebenheit beeinträchtigen.
"Verschönt
ist den Menschen die Liebe zu den Begehrten, Frauen und Kindern und
aufgespeicherten Haufen von Gold und Silber... Das ist die Versorgung für
dieses Leben; doch Allah ist es, bei dem dei schönste Heimsatt ist. Sprich:
"Soll ich euch von etwas Besserem Kunde geben als diesem?" Für jene,
die Gott fürchten, sind Gärten bei ihrem Herrn..." (Qur'an 3,15 f)"